21.11.16

Ferne Söhne

BRD 2016 Regie: Andres Rump, Erik Wittbusch 88 Min.

An den Grenzen bei Aachen werden auch alleinreisende minderjährige Flüchtlinge „aufgegriffen" und in Jugendheimen untergebracht. 800 sollen es sein. Da verwundert es nicht, dass gleich mehrere Filmemacher dieses Thema aufgreifen. Nachdem das Regieduo Michael Chauvistré und Miriam Pucitta zusammen mit Flüchtlingskinder in Maria im Tann filmte, stellt nun der Aachener Andres Rump mit „Ferne Söhne" ein Porträt von sechs jugendlichen Flüchtlingen vor, die in Deutschland ein neues Leben begonnen haben.

Ambesa aus Eritrea erzählt, wie das Militär ihn als Zehnjährigen entführt hat, während er auf einem Balkon hinter Kaninchendraht steht. Mahruf aus Afghanistan sieht man beim Sortieren einer Werbezeitung, als er erzählt, wie die Taliban seinen Schulbesuch verhinderten und ihn verjagten. Von all diesen Schicksalen erfahren wir in Off-Erzählungen, teilweise als Hörspiel mit Untertiteln, durchgehend in Schwarz-Weiß. Im Bild die Orte, an denen sie jetzt leben: Das Flüchtlingsheim, ein Moschee, das Boxtraining. Eine Bahn lang im Schwimmbad erfahren wir, dass der afghanische Flüchtling den Kontakt zu den Eltern verloren hat, wegen seiner Depressionen behandelt wird und noch immer Arzt werden will. Die Bildebene ist dabei immer von der Handlung her reduziert. Es passiert sehr wenig, die Kamera liefert nur feste Einstellungen, man kann sich auf die Erzählungen konzentrieren.

„Ferne Söhne" ist so ein sehr statischer Film, was man weithergeholt als Ausdruck der Flüchtlings-Situation interpretieren könnte: Es geht nicht weiter. Die Geschichten der sechs Jungs sind aber vor allem durchgehend in sich bewegend. Die kluge, aber nicht selbstverständliche Entscheidung, trotz durchaus guter Deutschkenntnisse alle in ihrer eigenen Sprache reden zu lassen, verstärkt die Wirkung.

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