29.11.16

Ein Lied für Nour

Niederlande, Großbritannien, Katar, Argentinien, Palästina, 2015 (Ya tayr el tayer) Regie: Hany Abu-Assad mit Tawfeek Barhom, Ahmed Al Rokh, Hiba Attalah 95 Min. FSK: ab 0

Nach wilder Verfolgungsjagd über Dächer, durch Nähereien und Marktstände des Gaza-Streifens folgt die Überraschung: Der flotte Junge, der sich gerade wieder einen Schekel verdient hat, ist ein Mädchen. Die mutige, zwölfjährige Nour und ihr Bruder Mohammed sammeln Geld für ihren Traum, eine richtige Band zu werden. Doch gerade als sie ganz nahe dran sind, stirbt Nour weil ihre Nieren versagen. Erst Jahre später als junger Mann will Mohammed (Tawfeek Barhom) den Traum verwirklichen, indem er an der Casting-Show „Arab Idol" teilnimmt. Ein schwieriges Unterfangen für einen armen Palästinenser, der nicht mal ohne Probleme aus dem Gaza-Streifen raus kommt.

„Ein Lied für Nour" erzählt die reale Geschichte des „Arab Idol"-Siegers Mohammed Assaf in zwei ganz unterschiedlichen Teilen: Die Kindheit erfreut als nette, sympathische Geschichte. Die zweite Hälfte geriet dann zu einer arg konventionellen und inszenatorisch einfallslose Erfolgs-Story, verwoben mit noch einer Kranken- und einer Liebesgeschichte.

Die politisch angehauchte Tragikomödie zeigt am Rande mit allgegenwärtigen Trümmern und beinamputierten jungen Männern die Folgen des Aufstandes gegen die israelischen Besatzer. Wenn Mohammed als einziger Vertreter aus Gaza die Stimme einer unterdrückten Nation sein soll, dann ist das schon arg deutlich Propaganda und der Film verliert den Charme seiner ersten Hälfte. Dabei wollte ihn ein alter Freund, der an die Religion verloren ging, gar nicht ausreisen lassen. Der reale Mohammad Assaf ist mittlerweile Botschafter der Vereinten Nationen, hat einen Diplomatenpass, muss sich aber die Einreise nach Gaza immer noch genehmigen lassen.

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