1.11.16

Die Tänzerin (2016)

Frankreich, Belgien, Tschechien 2016 (La Danseuse) Regie: Stéphanie Di Giusto mit Soko, Gaspard Ulliel, Lily-Rose Depp, Mélanie Thierry 112 Min. FSK: ab 12

Nach jedem Auftritt brach sie zusammen. Trotz körperlichem Training konnte sie nur jeden dritten Tag auftreten. Loïe Fuller (1862 - 1928) war Ende des 19. Jahrhunderts ein Star des Tanzes in einer von ihr selbst geschaffenen Kunstform, dem Serpentinentanz. Faszinierend wie dieser in Licht und Bewegung schillernde Tanz ist auch der Debütfilm der Regisseurin Stéphanie Di Giusto über das Leben der legendären Tänzerin Loïe Fuller.

Aus dem Wilden Westen stammte Marie-Louise Fuller (Soko / Stéphanie Sokolinski), lebte mit ihrem saufenden Vater, einem Rodeo-Reiter, träumte in Saloons von der Großen Oper. Nachdem der Vater ermordet wurde, reicht es in New York, unter der Kontrolle der sittenstrengen Mutter, nur zu einer stummen Rolle. Allerdings entdeckt Marie-Louise nach Stolpern und einer Improvisationsidee auf der Bühne „ihr Ding": Sie wedelt mit dem langen Kleid herum - zur Begeisterung des Publikums. Mit enormem künstlerischen Anspruch, großem Ernst und noch größerer Entschlossenheit macht Loïe Fuller, wie sie sich mittlerweile nennt, aus der Pausennummer eine große Show. Mit geklautem Geld haut sie nach Paris ab, drängt sie sich den Folies Bergère auf. Aber auch mit diesem ersten Erfolg im Variete ist sie nicht zufrieden. Es muss - unter enormen Kosten - genau nach ihren Vorstellungen laufen. Für die Herstellung ihrer aufwendigen Kostüme wurden komplizierte mathematische Formeln angewandt, in ihrem eigenen Chemielabor entwickelte sie phosphoreszierendes Salz für den Stoff und für ihre Bühnenbeleuchtung benötigte sie bis zu 25 Techniker in schwarzen Kitteln, damit sie unsichtbar blieben.

Die Faszination dieses Tanzes vermittelt der Film - mit Hilfe bekannter Musikstücke, aber auch mit einer gelungenen Inszenierung der immer noch fesselnden Bewegungen. Fuller verausgabt sich dabei jedes Mal vollständig, nimmt keine Rücksicht auf ihre Gesundheit, was sich bald rächen wird. Dazu gibt es Konkurrentinnen, die sie kopieren, weshalb die Bestandteile des Tanzes tatsächlich in zehn Patenten festgehalten wurden! Vor allem Isadora Duncan (Lily-Rose Depp), die auch aus den USA kommt, manipuliert Loïe emotional wie geschäftlich und treibt sie in den Wahnsinn. Mit kurzen Haaren, rauem Charme und einer trotzigen Schüchternheit scheut Fuller die Öffentlichkeit, erkennt deutlich, dass mit eitlem Anbiedern mehr Erfolg als mit ihrer Kunst zu erreichen ist. Doch eigensinnig verfolgt sie ihren Wunsch, in der Oper aufzutreten.

Dass „Die Tänzerin", die Geschichte von Loïe Fuller nach Giovanni Listas Roman „Loïe Fuller, danseuse de la Belle Epoque", mehr als eine Künstler-Biografie ist, liegt nicht nur am charismatischen Spiel von Soko. Ihre Figur lebt eine spannende Freundschaft zum bald verschuldeten Adligen Louis (Gaspard Ulliel), wird begleitet von der erdenden Managerin und Freundin Gabrielle (Mélanie Thierry). Die schwierige Beziehung zur heute viel bekannteren Isadora Duncan sorgt für viel Drama. Mitreißend bleibt jedoch vor allem die Leidenschaft und Freude, mit der Loïe Fuller ihren Traum lebt.

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