15.11.16

Die Reise mit Vater

BRD 2016 Regie: Anca Miruna Lazarescu mit Alex Margineanu, Razvan Enciu, Ovidiu Schumacher, Susanne Bormann 111 Min. FSK: ab 12

1968 versucht der junge deutschstämmige Arzt Mihai (Alex Margineanu) im rumänischen Arad gleichzeitig seinen lebensbedrohlich kranken Vater zu pflegen und den rebellischen jungen Bruder Emil (Razvan Enciu) vor dem staatlichen Geheimdienst zu schützen. Stalin ist zwar schon länger tot und Staatschef Nicolae Ceaușescu macht noch auf Reformer, aber für einen politischen Slogan kassiert man noch Knochenbrüche. Dank der neuen Freiheiten unter Alexander Dubček in der Tschechoslowakei kann Mihai in die DDR reisen, um den Vater gegen dessen Wissen operieren zu lassen. Doch als die „sozialistischen Bruderstaaten" noch in der gleichen Nacht den Prager Frühling blutig niederwalzen, landet das Trio plötzlich in West-Deutschland.

Eher gemächlich rollt der Film mit drei exemplarischen Donauschwaben ein Sonderkapitel deutscher Geschichte vor dem Hintergrund des Prager Frühlings auf. Eine Vater-Sohn-Geschichte soll das Herz dieses Road Movies durch Rumänien, die CSSR, die DDR und Westdeutschland. „Die Reise mit Vater" wirkt lange wie eine Geschichtslektion. Als sie in München ausgerechnet in einer sozialistischen WG landen. Die Konfrontation von desillusionierten mit kämpferischen, aber vor allem theoretischen Sozialisten veralbern die Brüder mit spöttischen Texten zur Kalinka-Melodie. Besonders freundlich sind auch die Geheimdienste auf beiden Seiten - anfangs. Später schlagen sie auch brutal zu.

Weder als Komödie noch als Drama, nicht als Familien- oder Zeit-Geschichte kann „Die Reise mit Vater" überzeugen. Zwar lehrreich, aber nur etwas weniger verstaubt als die Geschichtsbücher kommt diese persönliche, höchstens nette und gut gespielte Geschichte in dem Langfilmdebüt von Anca Miruna Lazarescu daher.

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