7.11.16

Café Society

USA 2016 Regie: Woody Allen mit Jesse Eisenberg, Kirsten Stewart, Steve Carell, Blake Lively 96 Min.

Woody Allen liefert weiter seinen alljährlichen Film ab. Mit Höhen und Tiefen, aber fast immer sehenswert. In Deutschland kommt das immer weniger und deshalb auch immer später an: Ein halbes Jahr nach dem Start in Cannes und Frankreich sind die deutschen Kinos weltweit die letzten, die „Café Society" sehen dürfen. Dabei ist Allens neuerliche Gesellschafts- und Menschheitskomödie nicht nur wegen Kirsten „Twilight" Stewart und Jesse „Lex Luthor" Eisenberg ein großes Vergnügen. Mit Altmeister Vittorio Storaro hinter der Kamera, bietet „Café Society" zur bittersüßen Geschichte auch einen besonderen Augenschmaus.

Es ist die klassische Geschichte einer jungen Frau, die mit vielen Hoffnungen in Hollywood landet: Schon in den 30er-Jahren träumten die Starlets von der großen Karriere und landeten meistens ganz unten. Vonnie (Kristen Stewart) ist allerdings cleverer, sie arbeitet direkt für den mächtigen und protzigen Agenten Phil (Steve Carell). Einen kleinen Job in der Traumfabrik erhofft sich auch Phils Neffe Bobby Dorfman (Jesse Eisenberg). Er kommt zwar nicht vom Land, aber aus der Bronx. Sein älterer Bruder ist ein Gangster und Diamantschleifer wie der Vater will Bobby auch nicht werden. Dann halt Hollywood. Onkel Phil lässt ihn allerdings geradezu kafkaesk tagelang warten, um ihn dann an die Assistentin Vonnie weiterzureichen. Es kommt, wie alle es von Allen erwarten: Bobby verliebt sich hoffnungslos in Vonnie. Die genießt die Gespräche mit dem ungeschickten, aber klugen und ehrgeizigen Kerl. Doch sie hat schon jemand anderen. Der andere ist selbstverständlich Onkel Phil, wobei mit Vonnies Zerrissenheit die Geschichte erst zur Hälfte erzählt ist...

Es kommt bei Woody Allen nicht auf die grobe Handlung an, die nach Bobbys Rückkehr nach New York und seinem rasanten Aufstieg als Chef eines Nachtclubs fast melodramatische Züge annimmt. Der Wort-Witz ist beim Achtziger Allen immer noch geschliffen, die Dialoge sind reizendes Zuckerschlecken und die Vorführung des Allzumenschlichen geriet wieder verblüffend treffend. Dazu sind die Darsteller nicht nur äußerst prominent, sie scheinen auch die Rollen ihres Lebens zu spielen: Die in „Twilight" arg unterforderte Kirsten Stewart darf mal wieder zeigen, dass sie mehr kann. Jesse Eisenberg ist, wenn er meint: „Das Leben ist eine Komödie, geschrieben von einem sadistischen Komödien-Autor", klar ein Ebenbild Woody Allens und scheint der geborene Allen-Darsteller zu sein. Steve Carell versichert trocken und glaubhaft, dass unerfüllte Liebe mehr Menschen umbringt, als Tuberkulose. Herrlich auch der jüdische Humor von Bobbys Mama, die bei ihrem konvertierten Sohn in der Todeszelle jammert: „Erst Mörder, dann Christ. Ich weiß nicht, was schlimmer ist!"

All diesen trefflichen Spaß bietet auch ein durchschnittlicher Woody Allen. „Café Society" sieht darüber hinaus wie ein großer Film aus. Wenn Bobbys Bruder seine Konkurrenten überall in New York einbetoniert, wenn die Prominenten in seinem verruchten Gesellschafts-Club auflaufen, der selbstverständlich auch ein Spiegel derselben ist. Und so gibt es auch ein Wiedersehen von Vonnie und Bobby im diesem Club...

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