21.11.16

Arrival

USA 2016 Regie: Denis Villeneuve mit Amy Adams, Jeremy Renner, Forest Whitaker 116 Min. FSK: ab 12

Ein friedliebender Science-Fiction Film? Ein hoffnungsvoller Liebes- und Familien-Film? Der absolut großartige und geniale „Arrival" ist vor allem nicht, was man erwartet oder der Trailer verspricht. „Arrival" vom Kino-Revolutionär Denis Villeneuve ist etwas völlig anderes, weil Neues. Wir sehen die Linguistin Louise Banks (Amy Adams) zuerst in ihrem einsamen und stillen Leben. Dazwischen Bilder von Geburt und Aufwachsen ihrer Tochter Hannah, die als Teenager an Krebs stirbt. Da wundert man sich nicht über die Verschlossenheit von Louise, die an einer Uni, die wie eine Festung wirkt, noch Vorlesung hält, als auf dem ganzen Campus schon Panik herrscht. Zwölf Raumschiffe sind in unterschiedlichen Regionen der Welt gelandet.

Die exzellente Linguistin Louise Banks wird nun zusammen mit dem Mathematiker Ian Donnelly (Jeremy Renner) vom Militär engagiert, um Kontakt mit den Aliens aufzunehmen und deren Sprache zu entschlüsseln. Anfangs sind zwölf Nationen und Armeen vernetzt, um das Rätsel gemeinsam zu lösen. Doch als der Begriff Waffe entziffert wird, steigt die Anspannung, die Verbindungen werden gekappt.

Wie sehen die Außerirdischen aus? Was ist das für eine escherartige Gravitation in dem Raumschiff, das die Form einer riesigen schwarzen Kontaktlinse hat? „Arrival" ist von der ersten bis zur letzten Minute ungeheuer fesselnd, was das enorme Können des Regisseurs erneut beweist. Dass Denis Villeneuve spannend erzählen kann, spürte man zuletzt im knallharten Drogenthriller „Sicario" bis ins Mark. Im Gegensatz zu seinem großartig genialen „Enemy" (2013), der unvermeidlich auf einen großen Crash zulief, steht hier das Ringen um Weltfrieden im Zentrum. Die Action tritt zurück, Jeremy Renner („The First Avenger: Civil War", „Mission: Impossible – Rogue Nation") rennt kein einziges Mal! Wie bei Spielbergs „Unheimliche Begegnung der dritten Art" (1977), der wie „2001" und andere SciFi-Klassiker ganz dezent zitiert wird, sind die Aliens keine aggressiven Nachbarn aus dem All. Sie bringen ein Geschenk und zwingen die Nationen, ihre Teile des Geschenks miteinander zu verbinden. Dass die vermeintliche Waffe sich letztendlich als Sprache herausstellt, ist eine besonders schöne Idee des Films.

Villeneuves „Arrival" schafft es dabei immer, zwei Seiten einer Medaille zu sein. Oder besser: Zwei Seiten eines Möbiusbandes. Denn immer schimmert im Science Fiction auch die Familien-Geschichte von Louise durch. Und umgekehrt. So dass man immer weniger weiß, wo man sich eigentlich befindet, welche Zeit gerade abläuft. Wenn man die Fragmente der Handlung in eine richtige Reihenfolge zu bringen versucht, jauchzt der endlich mal geforderte Intellekt auf. Wie einst bei „Pulp Fiction", nur ein paar Etagen cleverer. Der Clou des Films erschließt sich ganz allmählich. Und hört dann nicht mehr auf, das Hirn mit nie so gedachten Gedanken zu verblüffen. Ein berührender Liebes- und Familien-Film sowie gleichzeitig ein genialer Science-Fiction Film!

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