4.10.16

Sausage Party

USA 2016 Regie: Greg Tiernan, Conrad Vernon 89 Min. FSK: ab 16

Zeichentrick- ist kein Kinder-Film. Was die Kritik seit Jahrzehnten vermitteln will - und dabei unter anderem von vielen japanischen Meisterwerken unterstützt wird, kommt jetzt mit unflätiger Deutlichkeit auf die Kinoleinwand. „Sausage Party" wird als „erster Computeranimationsfilm, der in den USA mit einem "R-Rating" (für Kinder und Jugendliche nicht geeignet) versehen wurde" verkauft. Abgesehen davon, dass auch „Fritz the Cat" damals kein Vormittagsprogramm war, schon die ersten Minuten drehen sich im Supermarkt darum, dass Würstchen Frank unbedingt zwischen die „Backen" des Brötchens Brenda will. Das hört sich im englischen Original tatsächlich deftig an, dort spricht auch Star Seth Rogen den Frank derart, dass man den geilen Geifer aus seinem Mund fließen lässt. Doch genug der Provokation, „Sausage Party" ist mehr: Angefangen von den Musical-Nummern bis zur Aufklärung von religiösem Aberglauben wie das bessere Jenseits gibt es hier bei pubertärem Sex-Gesprächen und –Gebärden ziemlich viele erwachsene Themen. Dazu ist die Animation äußerst groß, ja sogar großartig.

Der Kunde ist König ... sogar Gott in der ersten flotten Musical-Nummer der äußerst schräg gelungen Animation „Sausage Party". Der Rest ist Gotteslästerung und sogar Konsumkritik. Wie vor allem von Pixar gewohnt, haben hier ungewöhnlichste Gegenstände, besser: Nahrungsmittel, nicht nur Ärmchen und Beine, sie wurden so animiert, also „beseelt", dass die dramatische Handlung im Stile von „Toy Story" unter die Wurstpelle geht und sogar fortan die Nahrungsaufnahme verändern könnte. Zuerst wollen Frank und Brenda vom Konsumenten erlöst und zur großen Grill-Party ins Paradies getragen werden. Dann erkennen sie nach einer sehr, sehr verrückten Odyssee das hässliche Gesicht des Konsums. Ein frecher bis anarchischer Animationsspaß mit überraschendem Tiefgang und Kult-Potential.

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