26.10.16

Doctor Strange (2016)

USA 2016 (Dr. Strange) Regie: Scott Derrickson mit Benedict Cumberbatch, Chiwetel Ejiofor, Rachel McAdams,
Michael Stuhlbarg, Mads Mikkelsen, Tilda Swinton 115 Min. FSK: ab 12

Mitnichten noch ein Superhelden-Film zaubert Marvel diese Woche auf die Leinwand. Mit „Doctor Strange" werden die Gesetze von Zeit, Raum und Superhelden-Erzählroutine außer Kraft gesetzt. Sensationelle Visionen, die „Inception" mit Escher potenzieren, sowie dank Benedict Cumberbatch, Tilda Swinton und Mads Mikkelsen Schauspiel-Zwischenspiele vom Feinsten. „Doctor Strange" ist eine sehenswerte Superhelden-Episode auch für Cineasten, die ansonsten richtige Filme lieben.

Dieser Doctor Strange wirkt seltsam im Superhelden-Einerlei unseres Jahrzehnts. Nicht nur, weil er sich an seinen Hippokratischen Eid hält und lieber verzaubert als meuchelt. Der Film „Doctor Strange" erzählt, wie aus dem sehr guten und sehr arroganten Chirurgen Dr. Stephen Strange (Benedict Cumberbatch) zuerst dank Handy am Steuer ein gebrochener Mann mit noch mehr gebrochenen Fingern wird. Der Mann, der Welt in seinen Händen und in der Luxus-Wohnung auch zu seinen Füßen hatte, sucht nachdem die westliche Medizin ihn nicht weiter bringt, Rettung in Asien. Die Älteste (Tilda Swinton), Leiterin einer geheimnisvollen Schule, macht ihn zum Schüler einer eindrucksvollen Magie.

Was die besonderen Mönche mit ihren Händen können, zeigte schon der sagenhafte Prolog bei einem Kampf der Ältesten gegen Kaecilius (Mads Mikkelsen), einem ehemaligen Schüler, der ein dunkles Paralleluniversum die Erde verspeisen lassen will. Da falten sich ganze Häuserzeilen zusammen, aus Giebeln werden tödliche Zahnräder und Wohnblöcke walzen gefährlich heran, während oben, unten, rechts und links dauernd wechseln. Auswege gibt es nur über flugs gezauberte Portale an andere Orte.

So entfalten sich gleichzeitig mit den Städten und Sphären in atemberaubender Tricktechnik auch neue Welten in Sachen Superhelden-Film. Das Marvel-Studio faselt zwar dauernd irgendwas von Phasen, die letztendlich wohl zur Weltherrschaft des Medien-Konzerns führen sollen, aber ein wirklich großer Schritt für die Menschheit ist erst der Einsatz von echten Schauspielkalibern wie Benedict Cumberbatch und Mads Mikkelsen. Die können zwar nicht besser rennen als die Action-Hansels, aber zwischendurch sorgen sie immer wieder für großartige Momente. Selbst wenn Mikkelsens etwas eindimensional bleibt, haut er doch astrale Sätze raus wie einst Rutger Hauer in „Blade Runner".

Unglaubliche Welten gesehen hat auch der Zuschauer dieses absolut außergewöhnlichen Marvel-Films. Zudem noch eine echt gute, tragische Geschichte. Allerdings wird der seltsame Doktor immer mehr zum Komiker, weil seine Scherze nicht richtig ankommen, was wiederum witzig ist. So macht ein Kampf der Astralkörper, während Stranges echter Körper wiederbelebt wird - doppelt Spaß. Bei allem erzählerischen und optischen Hokuspokus, gibt es als Bonus noch einige tiefgehende asiatische Weisheiten. Ob auch dies der Entstehungszeit der erstmals 1963 erschienenen „Doctor Strange"-Comics geschuldet ist? Die atemberaubenden digitalen Visionen unserer Zeit setzen auf jeden Fall die Augen- und LSD-Trips der Sechziger fort, die sich angeblich angesichts der visionären Strange-Bilder ergänzten. Jetzt sind sie ein gefundenes Fressen für 3D. Ein echter Kinotrip, ähnlich wie „Avatar", wenn auch im Trick weniger organisch. Sehenswert ist „Doctor Strange" auf jeden Fall, niemand sollte sich vom Superhelden-Label abschrecken lassen.

Keine Kommentare: