18.10.16

Bridget Jones' Baby

Großbritannien, USA, Frankreich, Irland 2016 (Bridget Jones's Baby) mit Renée Zellweger, Colin Firth, Patrick Dempsey 123 Min. FSK: ab 0

Wie zum Teufel bin ich hier wieder gelandet - fragt sich Bridget Jones (Renée Zellweger) allein besoffen im Bett. Und fragt sich der Kritiker, für den zwischen Zellwegger sehen und Horrorfilm nicht viel Unterschied liegt. Bridget Jones ist auch 15 Jahre nach dem zweiten Film auf Basis von Helen Fieldings Vorlage immer noch Tollpatsch, vor allem verbal. Dabei flüstert sie beruflich mittlerweile arriviert als TV-Produzentin mit Verstand der hübschen Sprechpuppe vor der Kamera die klugen Sätze ein. Allerdings auch ein paar Privatgespräche, was zu lustiger Irritation im Live-Programm sorgt.

Das Thema ist diesmal die Biologische Uhr - es drängen sich die Kerzen auf Bridges Torte - und immer wieder die Suche nach dem Richtigen. Der von Hugh Grant gespielte Schönling Daniel ist aus dem Rennen, er wird direkt am Anfang begraben und „die osteuropäische Model-Szene trauert". Aber Mr. Darcy (Colin Firth) ist noch da und nur scheinbar vergeben. Damit ein Film draus wird, rettet mit dem Millionär Jack (Patrick Dempsey) ein neuer Märchenprinz Bridget Jones aus dem nächsten Schlamassel. Wortwörtlich, da Bridget mit hohen Hacken im Schlamm eines Musik-Festivals steckt. Abgelaufene ökologische Delphin-Kondome sind dann wohl nur für die Natur gut. Denn das ganz große Schlamassel ist, dass die bald schwangere Bridget nicht weiß, wer von den beiden Männern der Vater ist. Bei recht übersichtlicher Handlung und mäßig komplexen Figuren muss der Film etwas dadurch gestreckt werden, dass die zukünftige Mutter beiden Liebhabern erzählt, sie seien der Vater.

Am Konzept „Bridget Jones" wirkt nur die Gesichtshaut von Renée Zellweger seltsam frisch, trotzdem ist diese filmische Midlife-Crisis immer mal wieder richtig witzig: In der News-Show, die unser geliebter Tollpatsch zum Einsammeln von DNA-Proben benutzt, droht die Hitler-Katze aus dem Internet die Herrschaft über ernste Themen zu übernehmen. Als trotzdem die Witze ausgehen, sollen die Konkurrenten Jack und Mark bei der Schwangeren-Gymnastik als schwules Pärchen durchgehen, für das Bridget ein Baby austrägt. Eine Intrige und ein Missverständnis später steht Bridget wieder völlig hilflos im Regen. Letztendlich siegt die Romantik, wobei der verstockte Mark als wahrer Gefühlsmensch die heimliche Hauptfigur ist. Was sicherlich am überragenden Schauspiel-Vermögen von Colin Firth liegt. Wenn sein Mark Darcy, von blank ziehenden Klientinnen sichtlich irritiert, trotzdem perfekt Pussy Riot vor Gericht vertritt, wenn er nach dem Einsetzen der Wehen sich zu Fuß durch das verregnete London und eine Emanzipations-Demo schlägt, ist der Slapstick fast gelungen. Tatsächlich bleibt die Emanzipation bei „Bridget Jones" nur eine Randerscheinung. Darcy letztendlich rumzukriegen, bleibt in Tradition von Jane Austen das Wichtigste – und zunehmend unbeschwerte Unterhaltung.

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