4.10.16

Auf einmal

BRD, Niederlande, Frankreich 2016 Regie: Asli Özge mit Sebastian Hülk, Julia Jentsch, Hanns Zischler, Luise Heyer 113 Min. FSK: ab 12

Noch zwei sind übrig nach der Party in Karstens Wohnung und es scheint zwischen ihnen zu knistern. Doch dann liegt Anna tot am Boden und Karsten rennt panisch zu einer Ambulanz in der Nähe, anstatt den Rettungsdienst anzurufen. Der Bankangestellte sieht sich bald immer mehr Fragen und Vorwürfen ausgesetzt. Dazu wird der Fall immer mysteriöser, denn niemand auf der Party kannte das Opfer. Aber es gibt eine ausgezogene Strumpfhose und ein kompromittierendes Video. Karsten selbst hat anscheinend nicht alles gesagt. Seine Freundin Judith zieht aus, der Chef versetzt ihn in den Keller. Der Vater unterstützt ihn mehr als ihm lieb ist. Der Verlassene steht vor den Trümmern des eigenen Lebens, das er allerdings nun auch mit anderen Augen sieht.

Im dritten und ersten deutschsprachigen Spielfilm der in Istanbul geborenen und seit 2000 in Berlin lebenden Regisseurin Aslı Özge („The Bridge", „Lifelong") bleibt die Spannung um eine eigentlich klare Situation durchgehend erhalten. Mehrmals wechselt der Eindruck, den Karsten auf das Publikum macht, radikal. Und auch der interessante Film an sich ist nicht einfach einzuordnen: Es geht nicht nur um Vorverurteilung, auch nicht um Schuld oder Verantwortung. Aber es dreht sich um die Psyche eines Mannes, der fasziniert. Mit verschiedenen Facetten oder in verschieden Phasen, in die ihn die Ereignisse drängen. Der bislang nicht sehr bekannte Sebastian Hülk beeindruckt in der Hauptrolle als erst unscheinbare, dann undurchsichtige und schließlich erschreckende Figur.

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