5.9.16

Nerve

USA 2016 Regie: Henry Joost, Ariel Schulman mit Emma Roberts, Dave Franco, Juliette Lewis 96 Min. FSK: ab 12

Spannung von Henry Joost und Ariel Schulman, den Machern der „Paranormal Activity", Teil 4 - das sollte gelingen. Aber der Versuch, „The Game" (mit Michael Douglas) oder „The Running Man" (mit Schwarzenegger) für die aktuelle Jugend mit Social Media aufzupeppen, bringt mehr Neon-Schein als Sein.

Dass Vee (Emma Roberts) ein braves Mädel ist, zeigt schon ihr niedlicher Computer-Desktop mit der Musik, die Fahrstühle zum Einschlafen vorgespielt bekommen. Doch als der Schulschwarm ihr eine Abfuhr erteilt, meldet sie sich eher trotzig als mutig als Spielerin bei „Nerve" an. Eine digitales Art „Wahrheit oder Pflicht" ohne die Wahrheit, dafür mit Live-Übertragung der Mutproben über alle Social Media-Kanäle. Ja, Vee ist jung und sie braucht das Geld, um demnächst fürs Studium von der Helikopter-Mutter wegziehen zu können. So küsst Vee einen Fremden für die ersten 100 Dollar. Dieser Ians (Dave Franco) stellt sich ebenfalls als Mitspieler heraus. Für eine weitere Handvoll fährt sie hinten auf seinem Motorrad rüber nach New York, soll ein teures Kleid klauen und ihn mit verbundenen Augen durch die Straßen rasen lassen. Bald klingelt nicht nur das Konto, Vee ist auch schnell bei Tausenden von Zuschauern unter Dauerbeobachtung auf dem Handy. Als die Aufgaben mörderisch werden, gibt es keine Möglichkeit mehr auszusteigen.

„Nerve" ist ein wenig aufregender, aber handwerklich routinierte Jugendfilm mit viel wirkungslosem Licht-Styling und etwas medienkritischem Lack nach Jeanne Ryans gleichnamigen Roman (dt. „Das Spiel ist aus, wenn wir es sagen"). Der singulär finanziell begründete Wunsch, ein Star im Netz zu werden, droht mit dem Absturz ohne Netz oder doppeltem Boden. Dass sich Vee im Rausch von Gefahr und zeitweiliger Geschwindigkeit von grauer Maus zur selbstbewussten, klugen Frau entwickelt, ist Mindestmaß. Ihr Partner Ian (Dave Franco als Charmeur mit rauem Aussehen) ist als Typ mit Lederjacke längst kein „Wild one", kein Rebell mehr, sondern Darling der Internet-Votings. Wenn Clicks killen können, macht das nicht wirklich ambitionierte Filmchen „Nerve" kurz ernst und behauptet, hinter der Anonymität des Netzes lässt man sogar töten. Das Spiel muss man - mit Hilfe des Darknet - ausspielen, sprich hacken, indem die Masken der Nutzer herunter gerissen werden.

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