20.9.16

Hedis Hochzeit

Tunesien, Belgien, Frankreich, Katar, Vereinigte Arabische Emirate 2016 (Inhebbek Hedi) Regie: Mohamed Ben Attia mit Majd Mastoura, Rym Ben Messaoud, Sabah Bouzouita 88 Min.

Bei all den Diskussionen um Burkinis und geistig umhüllte Politiker, bei aller Sorge um den Maghreb wurde eine Personengruppe vergessen: Die schüchternen tunesischen Söhne, die unter der Fuchtel der Mutter arrangiert heiraten müssen. Dies ist sarkastisch gemeint, denn unser „Held" Hedi (Majd Mastoura) konnte in dem nur mäßig interessanten Film aus und über Tunesien nie wirklich unsere Anteilnahme gewinnen. Dieser sehr schüchterne, introvertierte Autoverkäufer in einem Land, das kein Geld für Autos und ganz andere Sorgen hat, sitzt schweigend bei der offiziellen Vorstellung der Brautpaare rum. Er mag Baya (Sabah Bouzouita) ganz gerne, doch scheinbar will er vor allem in Ruhe gelassen werden. So hängt er nach seiner Versetzung in den Touristenort Mahdia nur im Hotel rum und zeichnet seine Comics. Dass er sich in die Animateurin Rim (Rym Ben Messaoud) verliebt, könnte einen Ausbruch ermöglichen, doch die Verliebtheit versandet in einer neuerlichen Hängepartie, bei der Hedi zuerst gegen sein Mutter aufbegehrt, dann aber gleich Rim und Baya hängen lässt.

Neben einer soliden Inszenierung und einem sympathischen Schauspieldebütanten in der Hauptrolle, der in Berlin einen Silbernen Bären gewann, wäre vor allem die Hängepartie als Metapher für das perspektivlose Leben in Tunesien fünf Jahre nach der Revolution zu sehen. Einige Details und viele Gespräche lassen dieses miterleben. Doch als möglicher politischer Film über die uneigentliche Kaste der angepassten Mitläufer ist der eher deprimierende „Hedis Hochzeit" ebenso mutlos wie seine Hauptfigur.

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