27.9.16

Findet Dorie

USA 2016 Regie: Andrew Stanton & Angus MacLane 97 Min. FSK: ab 0; f

Erinnern Sie sich noch an Dorie und ihre Meeres-Abenteuer mit Nemo, der seinem Vater abhanden kam? Nein? Macht nichts, denn auch Dorie erinnert sich an nichts mehr: Die blaue Paletten-Doktorfisch-Dame ohne Kurzzeitgedächtnis lebt glücklich und zufrieden mit Nemo und dessen Papa Marlin im Korallenriff, die sich geduldig um die vergessliche Freundin kümmern. Aber plötzlich blitzt eine alte Erinnerung aus der Kindheit auf und macht Dorie unruhig: Irgendwo da draußen müssten doch ihre Eltern sein, die vielleicht noch immer nach ihr suchen. Gegen alle Vernunft starten Dorie, Marlin und Nemo ein neues Abenteuer, das zwar „Findet Nemo" dreist kopiert, aber auch sympathisch variiert.

„Findet Nemo" war für Disney mehr als ein Erfolg. Der kleine Clownfisch wurde zur Ikone und zur Merchendise-Massenware. 13 Jahre widerstand Disney der Versuchung, „Findet Nemo 2" auf den Markt zu werfen. Und das Warten hat sich tatsächlich gelohnt: „Findet Dorie" ist ein meeres-frisches Abenteuer, gleichzeitig sprudelnder Spaß, raffinierte Aquariums-Action und eine schöne Erinnerung für die Älteren. Apropos: Ganz nebenbei lernen die Kleinen hier den Umgang mit Menschen, deren Gedächtnis nicht mehr richtig will und können so Oma und Opa besser verstehen.

Das am wenigsten Überraschende an diesem neuen Pixar-Film ist, dass die digitalen Trickser immer wieder überraschen: Fische ohne Mimik als Helden eines Zeichentrick, ist doch albern! Ein Geheimnis der Vergangenheit aufdecken - das ist ja geradezu ein Krimi-Plot! Der witzige Nebenfigur Dorie eine Hauptrolle geben? Kann nicht funktionieren! Eben doch: Mit ihrem tragischen Schicksal erweist sich die Fisch-Dame als äußert gewinnende Heldin, die immer wenn es schwierig wird äußert tapfer den richtigen Weg findet. So wächst die Hilflose zur Retterin, indem sie einfach ihren Gefühlen folgt. Ebenso esoterisch lautet ihr Leitfaden, „Was würde Dorie tun?", fragt Dorie sich immer wieder in Notsituationen.

Und von denen gibt es bei dieser nassen Achterbahn richtig viele. Denn recht schnell führt die Reise durch den Ozean zum berühmten Meeresbiologischen Institut in Kalifornien führt. Wieder mit dabei beim Road-Movie durch die Ozeane sind für die Langstrecke die Meeresschildkröten. In den Becken, über denen Sigourney Weavers Stimme schwebt, zeigen auch ein Beluga ohne Radar und ein Oktopus, dem ein Arm fehlt, wie man mit Behinderungen umgehen kann. Was bei Nemo mit der kleinen Flosse eine Randerscheinung war, ist fast zum Hauptthema geworden.

Fast, denn auch „Findet Dorie" ist ein rasantes Trickfilm-Abenteuer mit aberwitzigen Action-Ideen und viel, viel Gefühl. Dazu selbstverständlich eine große Zahl an Nebenfiguren, die zu Land, in der See und in der Luft für noch mehr Trubel sorgen, als es die dauernd quasselnde Dorie alleine schafft. „Findet Dorie" ist nicht nur schon wieder ein überragender Trickfilm von Pixar, nicht nur schon wieder ein Höhepunkt der industriellen Kinderunterhaltung, er weckt auch Interesse für den Regisseur Andrew Stanton, der mit „Findet Nemo" und „WALL-E" eine bemerkenswert einfühlsame und mitmenschliche Trilogie hingezaubert hat.

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