8.8.16

Jason Bourne

USA 2016 Regie: Paul Greengrass mit Matt Damon, Tommy Lee Jones, Alicia Vikander, Vincent Cassel, Julia Stiles, Riz Ahmed 123 Min.

Die Bourne-Geschichte eines zum Super-Killer mutierten „Normalos" war mit drei Filme und einem Spin-Off eigentlich „auserzählt". Doch wenn so eine Geldmaschine einmal läuft, ist sie schwer zu stoppen, wird sie skrupellos weiter gesponnen. So kommt der ehemalige Geheimdienstagent Jason Bourne (Matt Damon) nicht zur Ruhe und vor allem dieser überdrehte Action-Film nicht. In der Dauerbewegung unter den Augen eines neuen Überwachungsstaates kommen Skrupel und Charaktere ebenso unter die Räder wie viele Unbeteiligte. Matt Damons Jason Bourne muss sich dabei die Charakter-Hauptrolle von Alicia Vikander, in der Rolle der neuen CIA-Agentin Heather Lee, wegschnappen lassen.

Im Grenzgebiet Nord-Griechenlands sieht man den gequälten Jason Bourne (Matt Damon) bei brutalen Faustkämpfen. Wäre interessant, zu erfahren, was ihn da so quält, nachdem er in der ganzen Bourne-Trilogie seine eigentliche Identität entdeckt und sich von seiner Killer-Prägung losgesagt hat. Doch bevor irgendjemand nachdenken könnte, kommt die Ex-Kollegin Nicky (Julia Stiles) vorbei und dann eine Verfolgungsjagd später auch um. Sie überbringt den Job: Bourne muss ein neues Kontroll-Programm verhindern, durch das die Sicherheitskräfte die Macht ergreifen wollen. CIA-Chef Robert Dewey (Tommy Lee Jones) hat sich mit Social Media-Guru Aaron Kalloor (Riz Ahmed) zusammengetan, damit der eine „Hintertür" in sein weltdurchdringendes Programm Deep Dream einbaut. Doch die Mischung aus Steve Jobs und Zuckerberg will aussteigen. Dazu dreimal die Erwähnung von Snowden und die eher hirnlose Renner- und Rasernei „Jason Bourne" bekommt ein „Thema" aufgeklebt.

Regisseur Paul Greengras gilt seit dem Nordirland-Massaker „Bloody Sunday" (2002) und dem Schiffs-Kidnapping „Captain Phillips" (2013) als anspruchsvoll und politisch. Er kann aber auch Action. Und vor allem die zeigt er: „Jason Bourne" ist ein durchdrehender Action-Mechanismus, der wie seine Figuren dauernd in Begegnung ist. Das reißt mit, doch nur einmal nachgedacht, bricht das Konstrukt zusammen. Das überwacht die CIA alles aus der Luft und mit Überwachungskameras. Mitten in den griechischen Protesten am Syntagma Platz in Athen wird Bourne identifiziert. Im Prinzip spielen die Agenten Pac Man mit den Action-Figuren im Straßen-Labyrinth. Doch wenn zur nächsten attraktiven Stadt des nächsten nationalen Koproduzenten gewechselt werden soll, bekommt das keine einzige Kamera mit.

Kurz überlegt, was eigentlich passiert in dem zweistündigen Action-Amoklauf, erweist sich der Film als ein sehr aufwendiges Hamsterrad. All die Nichtigkeiten sind aus zig Kamerawinkel aufgenommen, Dynamik ersetzt nicht nur Inhalt sondern auch noch Handlung. Vom puren Bewegungskino unterscheidet sich diese hochgeschwinde Augenwischerei durch die Behauptung einer Handlung.

Nur am Rande dieser Vernichtungsschneise in die Aufmerksamkeit des Publikums, dieses ungebremsten Stroms an Eindrücken bleiben Fundstücke hängen: Ein fingierter irakischer Attentäter soll Sündenbock des eigenen CIA-Anschlages sein. Wie ein Kommentar zur aktuellen Attentats-Aufregtheit. Und vor allem Alicia Vikander als CIA-Computerspezialistin Heather Lee. Sie drängt sich skandinavisch emanzipiert vehement in die Chef-Position des CIA, sie ist ambivalent und damit die wirklich interessante Figur des Films. Eine Figur, die dem Hamsterrad der hirnlosen Action entkommen könnte.

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