9.8.16

El Viaje

BRD 2016 Regie: Nahuel Lopez 93 Min.

Rodrigo Gonzalez ist Bassist der deutschen Punkrock-Band „Die Ärzte", aber auch Kind einer Familie die 1974 mit ihm als Sechsjähriger vor der Militärdiktatur Augusto Pinochets nach Hamburg fliehen musst. In dem Dokumentarfilm „El Viaje" reist er nach Chile, auf den Spuren der Musik seiner Kindheit und der Protestmusik der „Nueva Cancion Chilena", die Rods Kindheit auch in Deutschland weiter prägte. Es ist die Musik einer Generation, die für Menschenrechte und gegen die Diktatur in Chile auf die Straßen ging.

Für ein Album mit den chilenischen Protestsängern der sechziger und siebziger Jahre sowie deren musikalischen Erben von heute trifft Rodrigo Gonzalez Musiker einer breiten Spannweite, geografisch und musikalisch: Traditionell und politisch, alt und jung, Liedermacher und Rocker. Ihre Stücke werden kurz angespielt. Nebenbei erzählt „El Viaje" von alten Chilenen, die am Jahrestages des Putsches noch die Flagge hissen, zeigt Graffitis auf den Straßen, besucht auch einen einheimischen Stamm im Süden.

Dieser reizvoller Musik- und Film-Sampler mit vielen verschiedenen musikalischen Richtungen ist kein „Buena Vista Social Club", nicht weil die Mittel diesmal wesentlich geringer sind als bei Wenders. Es geht hier mehr um die Menschen und ihre Geschichte. Ein Philosophie-Professor, spezialisiert auf Nietzsche und Heidegger, ist Legende mit seinem Protestsong und fühlt sich nun zerrissen zwischen Chile und seinem Exilland Frankreich. Ein anderes altes Idol erzählt halbwegs gefasst im Fußball- und Folterstadion von Santiago von den Schlägen und der Haft. Das klingt so ehrlich wie authentisch und ist dank der untertitelten Originalstimmen besonders gut mitzuerleben.

Die Off-Kommentare von Rodrigo mit lässigem bis schnoddrigem Tonfall sind so einfach gehalten, dass man sie in einem besseren Dokumentarfilm auch hätte weglassen können. Selbstverständlich soll seine Prominenz Album und Film verkaufen, aber eine vornehme Zurückhaltung ließe mehr Raum für das Land und die vielen interessanten Begegnungen.

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