24.8.16

El Olivo - Der Olivenbaum

Spanien, BRD 2016 Regie: Icíar Bollaín mit Anna Castillo, Pep Ambròs, Javier Gutiérrez, Manuel Cucala 98 Min. FSK: ab 6

Die Spanierin Alma ist Anfang zwanzig, rebellisch und impulsiv. Ihre ganze Liebe gilt ihrem Großvater, der nicht mehr spricht und langsam im Nebel des Alters zu verschwinden droht, seit die Familie vor Jahren gegen seinen Willen den uralten Olivenbaum verkauft hat. Alma bricht deshalb auf, den Olivenbaum nach Hause zurückholen, der als Symbol für Nachhaltigkeit eingetopft im Atrium eines Düsseldorfer Energiekonzerns steht. Der ist allerdings keineswegs zur Rückgabe bereit. Die junge Donna Quijote begleiten ihr schräger Onkel Alcachofa und ihr still verliebter Kollege Rafa.

Ein gewaltiger Olivenbaum, der schon zu Römer-Zeiten dort gestanden hat, wird zurecht gestutzt und mit einem Kran aus dem Boden gezogen. Dieses schockierende Bild beeindruckt ebenso wie die kämpferische Persönlichkeit Almas. Im tristen Zustand der spanischen Gesellschaft, in der durch europäische Spardiktate erzeugten Krise, ist Almas Reise eine kleine Rebellion. Die größere wäre allerdings, wenn die unsichere Frau ihren Freunden mal die Wahrheit sagen würde.

Die spanische Regisseurin Icíar Bollaín beeindruckte bislang mit „Und dann kam der Regen - También la lluvia" (2010), „Öffne meine Augen" (2003) und „Blumen aus einer anderen Welt" (1999). Auch diesmal wählt der Film die Seite einer starken Frau. „Ihr habt den Verstand, ich hab den Mut. Manchmal muss man ins kalte Wasser springen", sagt sie ihren Freundinnen. Das Buch schrieb der Ken Loach-Autor Paul Laverty, der zuletzt eine Goldene Palme mit Ken Loachs „I, Daniel Blake" erhielt. So überrascht die Kritik am „Greenwashing" des deutschen Energie-Konzerns mit seiner Tagebau-Ausbeutung und der Abholzung von Wäldern keineswegs. Die Social Media-Kampagne von Almas deutschen Freundinnen gehört zwar nicht zu den stärksten Momenten des sehenswerten Films, doch alles an Almas eigener Geschichte überzeugt dafür umso mehr.

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