22.8.16

Die fast perfekte Welt der Pauline

Frankreich 2015 (Les chaises musicales) Regie: Marie Belhomme mit Isabelle Carré, Carmen Maura, Philippe Rebbot 78 Min. FSK: ab 0

Haben Sie schon den neuen Film mit der bekannten Action-Figur Jakob Börne gesehen? Nicht? Wäre auch komisch, wenn jemand aus „Jason Bourne" in Deutschland Jakob Börne macht. Oder aus dem Film und der Figur „Erin Brockovich" der Verständlichkeit halber „Elke Bröckers"! Dann noch den Schurken aus „Star Wars" Dirk Falter nennen, weil Darth Vader versteht ja keiner. Doch tatsächlich machten die deutschen Verkäufer dieses französischen Films einfach mal die Hauptfigur Perrine zu einer Pauline und zielten mit dem Titel „Die fast perfekte Welt der Pauline" auch noch betrügerisch auf „Die fabelhafte Welt der Amélie". Dabei ist Perrine ebenso eine Anti-Amélie, wie die Stimmung des Films ganz anders gelagert ist: In der tristen Welt der Perrine schlägt sich die erfolglose Animateurin Perrine (Isabelle Carré) mit Kindergeburtstagen durch. Und als Unterhalterin für Senioren-Vereine, die sich „armes Elend" nennen. „Animastriste" rutscht ihr denn auch mal als Berufsbezeichnung raus - triste Unterhalterin. Zwischen den Terminen erschrickt sie im Kostüm von Dirk Falter (oder: Darth Vader, s.o.) einen Passanten derart, dass der in der Grube landet. Also noch nicht ganz im Grab, aber zumindest im Koma auf der Intensivstation. Perrine ist schon vorher panisch abgehauen, besucht jedoch als angebliche Halb-Cousine das Unfall-Opfer täglich im Krankenhaus.

Die unscheinbare Frau mit dem burschikosen Gang, die sich selbst „ein Niemand" nennt, kümmert sich fortan nicht nur liebenswert um den wehrlosen Patienten Fabrice (Philippe Rebbot), sondern auch um seinen verwaisten Hund und seinen kleinen Sohn in der Wohnung von Fabrice. Eine seltsame Annäherung findet statt: Eher aus Versehen übernimmt Perrine den Job und auch die Wohnung von Fabrice. Diese sympathische Komödie ist dabei keineswegs ein Remake des Hollywood-Erfolges „Während du schliefst" mit Sandra Bullock. Ähnlich verpeilt wie die Hauptfigur Perrine gefällt der Film mit kleinen, verspielten Szenen. Ein stringenter Plan, eine gradlinige Dramaturgie würde gar nicht zu dieser Frau passen. Es ergibt sich halt, dass Perrine viel mehr Spaß im neuen Ersatz-Leben hat.

„Ich mag die Leute, die zweifeln", heißt es mal in einem Lied der Musikschule und Isabelle Carré, vor allem bekannt als scheue Sekretärin aus der Komödie „Die anonymen Romantiker", spielt mit einnehmendem Charme eine Art französischer Greta Gerwig. Verzettelt, hilflos der großen Welt gegenüber, gewinnt sie letztendlich doch die Herzen mit einer völlig ungeschützten Naivität. Dass man im Film ihren Namen verwechselt, setzt sich ironischerweise beim deutschen Verleiher fort, der einfach mal Perrine zu Pauline macht. Das ist nicht nur eine ungeheure Respektlosigkeit gegenüber dem Werk der Filmemacher, auch gegenüber einer ganzen Kultur und ihrer Sprache! Ein Grund mehr, diesen sehr sympathischen Film mit seiner ausgezeichneten Hauptdarstellerin Isabelle Carré in Originalversion mit Untertiteln zu sehen.

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