16.8.16

Alles was kommt

Frankreich, BRD 2016 (L'avenir) Regie: Mia Hansen-Løve mit Isabelle Huppert, André Marcon, Roman Kolinka 98 Min. FSK: ab 0

Nach den sehr bemerkenswerten und ungewöhnlichen Filmen „Der Vater meiner Kinder" (2009), „Un amour de jeunesse" (2011) und dem DJ-Abgesang „Eden" (2014) beschreibt das neueste Werk von Mia Hansen-Løve wieder einen Zustand. Den einer völlig freien Frau, was bei der reifen Philosophie-Dozentin Nathalie (Isabelle Huppert) aus der intellektuellen Bourgeoisie bedeutet: Nach 25 Jahre Ehe vom Mann verlassen, die Kinder aus dem Haus, die Mutter gerade gestorben, vom linken Verlag aus Spargründen gekündigt. So bleibt nur die gehasste Katze der Mutter als Geselle für die Katzenhaar-Allergikerin. Doch die bis zur Eigentümlichkeit eigenwillige Frau bleibt in ihrem Elfenbeinturm. Weder Streik noch Anarchie können sie groß bewegen. Nur ein junger, sehr begabter Student weckt Hoffnungen in der sitzengelassenen Ehefrau.

Dieses vermeintliche Elend spielt Isabelle Huppert, weniger streng als sonst, mit feiner Ironie. Der Film lässt zärtlich über sie lachen, auch über ihre nicht zu verbergende Hoffnung auf den ehemaligen Schüler und aktuellen Protegé. Die Zukunft des Originaltitels („L'avenier") erscheint gefährdet, in den philosophischen Exkursen taucht Schopenhauers „Die Welt als Wille und Vorstellung" auf, doch Nathalies Aufbruch zur alternativen Land-WG ihres Lieblings-Schülers bringt nur der mitgeschleppten Katze positive Veränderungen. Trotzdem folgt man den kuriosen Irrungen der lebensfernen Intellektuellen mit Interesse und Vergnügen. Mia Hansen-Løve, selbst Studentin der deutschen Philosophie, bekam für dieses schöne, hoffnungsvolle autobiographische Porträt bei der Berlinale 2016 den „Silbernen Bär" für die Beste Regie.

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