26.7.16

Wiener Dog

USA 2016 Regie: Todd Solondz mit Julie Delpy, Greta Gerwig, Kieran Culkin, Danny DeVito, Ellen Burstyn 88 Min. FSK: ab 12

In einem bewegenden Auftritt schlüpft der gealterte Schauspieler und Regisseur Danny DeVito („Der Rosenkrieg - bis daß der Tod uns scheidet") in die Haut des Regisseurs Todd Solondz: Er wolle doch nur etwas Wahres zeigen, was aus der Kindheit, ein Traum, auch wenn es schmerzt, sagt der Drehbuch-Professor Dave Schmerz (DeVito). Ein paar Scherze dazu, aber nicht zu viele, wie bei Schmerzens größtem Erfolg, der ihm nur noch peinlich ist. Dieser Routinier der traurigen Gestalt ist eine der Figuren in den vier Episoden von „Wiener Dog", in denen sich alles und nichts um die Wurst dreht. Die Wurst mit vier Beinen, die wir Dackel und die Nord-Amerikaner nach dem Wiener Würstchen Wiener Dog nennen.

Ein Junge, bei dem gerade der Krebs geheilt wurde, liebt seinen Dackel, doch ein Müsli-Riegel samt ausführlich dokumentierter Verdauungsstörung beim Hund lässt die Wohnung und die Geduld der aberwitzig unsensiblen Eltern überlaufen. Die junge, naive Tierarzt-Assistentin Dawn Wiener (Greta Gerwig) entführt den Hund vor dem Einschläfern und begibt sich mit einem Junkie (Kieran Culkin) auf einen scheinbar hoffnungslosen Road-Trip. Nach der Episode mit DeVito, ebenfalls mit bunt fotografierter Depression irritierend komisch, bekommt die alte Schauspielerin Nana (Ellen Burstyn) Besuch von einer gierigen Enkelin und den Geistern eines besseren Lebens.

Wie schon in Solondz' bekanntesten und schockierendsten Film „Happiness" (1998) bleibt einem das Lachen oft im Halse stecken oder es bricht verlegen heraus, weil Situationen völlig unverschämt und gleichzeitig faszinierend sind. Das Haustier Wiener Dog ist hier nur Begleiter am Rande, der gnadenlos klare Blick von Solondz („Palindrome", „Storytelling", „Willkommen im Tollhaus") liegt auf dem Menschen in nicht schmeichelnden Zuständen. Julie Delpys Gute Nacht-Geschichten vom Hund Muhammed, der im Wald Eichhörnchen vergewaltigt und als Handtasche endet, gehören ebenso zu den bemerkenswerten Momenten, wie die Meinung einer Mariachi-Band zur Lage der us-amerikanischen Nation: Wie ein großer, fetter Elefant, der in einem Meer der Verzweiflung versinkt. Das sieht man dank einer bemerkenswerten Reihe von Stars, einer sicheren, unglaublich klaren Inszenierung und dem sympathisch makabren Humor von Solondz immer wieder gerne.

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