18.7.16

The Girl King

Finnland, BRD, Kanada, Schweden, Frankreich 2015 Regie: Mika Kaurismäki mit Malin Buska, Sarah Gadon, Michael Nyqvist 106 Min. FSK: ab 12

Königin Kristina von Schweden (1626-1689) gilt als äußerst bemerkenswerte Figur der Geschichte: Als ihr Vater Gustav II. Adolf stirbt, kommt sie 1632 als Sechsjährige auf den Thron und wächst unter Beobachtung ihres Kanzlers auf. Sie wurde wie ein Junge erzogen, konnte fechten und reiten. Bei ihrer frei gehaltenen Thronrede empört Kristina (Malin Buska) als 18-Jährige in diesem Film über ihr Regierungsleben: Sowohl mit dem Wunsch, das Land aus Bauern und Soldaten zur Bildung führen zu wollen, als auch mit der Forderung nach Frieden im Dreißigjährigen Krieg. Dazu irritiert den Hof die brüske Abweisung aller Verehrer, die sie ins Ausland versetzt. Die Briefe der protestantischen Regentin an den katholischen Philosophen René Descartes (Patrick Bauchau) sind ebenso skandalös wie die Beziehung zu ihrer Zimmerdame, der Komtess Ebba Sparre (Sarah Gadon).

Der finnische Regisseur Mika Kaurismäki, der kleine Bruder vom großen Filmemacher Aki, war bislang für seine Musikfilme und kleine, schräge Roadmovies wie „Mama Africa", „Zombie and the Ghost Train" oder „Helsinki-Napoli - All Night Long" bekannt. Eine solche Film-Biographie, ko-finanziert von gleich fünf Ländern, erwartete man nicht. Kaurismäki konzentriert sich auf den Charakter der bemerkenswerten historischen Gestalt, zeigt Kristina verspielt und dickköpfig. Sie ist ihrem Rat intellektuell überlegen und führt ihn vor.

Der Briefwechsel mit Descartes behandelt – wie auch diese Filmbiografie - hauptsächlich Liebe und andere Gefühle der Regentin. Während einer Schädelöffnung mit Entdeckung des Sitzes der für Protestanten nicht existierenden Seele treibt der Film auch die religiösen Spitzfindigkeiten, die gerade Millionen von Leben gekostet haben, auf die Spitze. Der Film erlaubt sich einige erzählerische Freiheiten, macht aber nicht draus. Sehr uneinheitlich fällt das ganze Bemühen aus, bis hin zu Fremdschäm-Szenen wie einer Einlage Soft-Sex auf einem Teufelsbuch.

Schauspielerisch wurde „The Girl King" als Mix aus den Produktionsländern angelegt - mit Glanzlichtern wie Michael Nyqvist als Kanzler. Peter Lohmeyer dagegen blickt als Bischof von Stockholm düster drein, Martina Gedeck als wahnsinnige Maria Eleonora von Brandenburg, der Witwe Adolfs wie gewünscht wahnsinnig unter orangen Haaren. Malin Buska macht Eindruck, doch an das übergroße Vorbild, an Greta Garbos „Königin Christine" aus dem Jahr 1933 erinnert nur die tiefe Stimme der Hauptfigur. Hinzu kommt als Problem, dass „große Szenen" zwangsmäßig bescheiden ausfallen müssen und so doppelt aus dem ansonsten eher kleinen Rahmen der Geschichte rausfallen.

Als Kristina im Alter von 27 Jahren ihren Cousin Karl Gustav adoptiert und ihn zum König einsetzt, folgt noch ein großer Auf- und Abtritt. Die eindrucksvolle „Königinnen-Karriere" endet damit, dass Kristina zum Katholizismus konvertiert und nach Rom zieht, wo sie mit der Gründung der "Royal Academy of Rome" die Künste, Natur- und Geisteswissenschaften förderte. Sie ist eine von drei Frauen, die in den Vatikanischen Grotten im Petersdom bestattet wurden. Wie gesagt, eine eindrucksvolle Figur, die dieser Film nicht fassen kann.

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