11.7.16

Independence Day: Wiederkehr

USA 2016 (Independence Day: Resurgence) Regie: Roland Emmerich mit Liam Hemsworth, Jeff Goldblum, Bill Pullman, Judd Hirsch, Brent Spiner 119 Min. FSK: ab 12

Der „Independence Day" ist letztens durch die Brexit-Clowns Nigel Farage und Boris Johnson arg in Verruf geraten, klauten die Unruhestifter doch den Begriff von den Vereinigten Staaten, die sich historisch genau von dem ausbeuterischen englischen Königreich befreien wollten. Doch Roland Emmerich schreitet 20 Jahre nach seinem filmhistorischen Hit „Independence Day" sofort erfolgreich ein, um den guten Namen des Films zu retten: Retro-Stars und neueste Tricktechnik sorgen für sorglose Unterhaltung.

Nachdem Will Smith und Jeff Goldblum einst höchstpersönlich den Angriff technisch hoch überlegener Aliens mit einem Virus abgewehrt hatten, blieb die Menschheit nicht untätig. Mit Hilfe der außerirdischen Technologie bauten sie Frühwarnsysteme und Abwehr-Satelliten. Doch vergebens, die auf Rache sinnenden Ausbeuter aus dem All sind nun noch zahlreicher, noch größer ist ihr Raumschiff am Himmel. Noch größer, teurer und lauter ist auch Roland Emmerichs späte Fortsetzung seines grandiosen Hits aus dem Jahr 1995.

Dabei wiederholt „Independence Day: Wiederkehr" fast schamlos, aber dann doch charmant Bewährtes: Nach unübersehbaren Anzeichen für eine Alien-Rückkehr gibt es eine erste kleine Heldentat zum Warmlaufen und dann spult die Action-Dramaturgie ihr zuverlässiges Programm ab. Nach vierzig Minuten beginnt erneut die lustvolle Zerstörung der menschlichen Zivilisation mit hohem (Trick-) Aufwand. Diesmal in der originellen Variante „Schwerelosigkeit": Ein gigantisches Material-Chaos aus Gebäuden, Luft- und anderen Schiffen hebt nach außerirdischem Knopfdruck in den Himmel ab, um bald weltweit vernichtend nieder zu gehen. Aus den Millionen von Toten pickt sich der Film ein paar tragische Einzelfälle heraus, wobei auch die Verwandtschaft der Protagonisten wieder nicht verschont wird.

Aber die Wichtigsten überleben selbstverständlich - vielleicht braucht man sie ja noch in einer Fortsetzung. Wie diesmal vorbildlich vorexerziert: Jeff Goldblum ist als David Levinson, als Wissenschaftler mit Durchblick, immer noch gelassen und cool angesichts von Dinosauriern oder Aliens. Denn ein kurzer Blick auf das Monster im Rückspiegel erinnert augenzwinkernd auch an „Jurassic Park". Bill Pullmans Ex-Präsident Whitmore bekommt ohne Amt-Pathos mehr Lässigkeit. Überhaupt gibt es im Vergleich zum Vorgänger weniger Heldentum, weniger Gerede. Einfach Popcorn- und Action-Kino stringent durchgezogen. Nur statt der Figur von Will Smith fliegt nun ein Filmsohn als Spezialpilot im All herum.

Charlotte Gainsbourg als Psychologin fliegt als Französin mit außerirdischen Fremdsprachenkenntnissen auch mit, bleibt aber eine verzichtbare Randnotiz. Als weitere witzige Variante ist ein Zicken-Kampf zwischen der US-Präsidentin und die Königen der Aliens angelegt. Ok, das hatten wir schon in „Aliens" mit Sigourney Weaver, aber Roland Emmerich ist auch kein James Cameron. Das Bemerkenswerteste bei dieser mehr als unterkomplexen Handlung in „Independence Day: Wiederkehr" muss die Gigantomanie der Produktion bleiben. Tatsächlich sieht der alte „Independence Day" heutzutage aus wie ein Trashfilmchen ambitionierter Studenten. Bei Luftkämpfen im Stile von „Star Wars" und dezent rührend eingestreuten Vater-Tochter- und Vater-Sohn-Geschichten schießt der Unwahrscheinlichkeitsfaktor mit Warp3 in die Höhe und das Popcorn ploppt fröhlich im Karton. Dabei ist alles gerade nicht blöd genug, um beim Staunen zu stören. So muss sinnlose Sommerunterhaltung sein.

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