18.7.16

BFG - Big Friendly Giant

USA, Großbritannien, Kanada 2016 (The BFG) Regie: Steven Spielberg mit Mark Rylance, Ruby Barnhill, Penelope Wilton, Rebecca Hall 117 Min. FSK: ab 0

Roald Dahl (1916-1990) war, wie heutzutage Neil Gaiman, ein Kinderschriftsteller, der seine kleinen Leser nicht wegen erwachsenen Ängsten übermäßig vorsichtig einpackte. Seine Kinderfiguren durften ängstlich und gleichzeitig heldenhaft sein, was auch „James und der Riesenpfirsich", „Der fantastische Mr. Fox", „Danny oder Die Fasanenjagd", „Hexen hexen" oder „Matilda" zu so großen Erfolgen und zu Filmen machte.

Nach Dahls 1982 veröffentlichem Roman „The BFG" („Sophiechen und der Riese") realisierte Steven Spielberg nun ein wunderbares Werk, in dem nebenbei die Tricktechnik des digitalem Motion-Capturing erstmals funktioniert.

Sophie (Ruby Barnhill) lebt als aufgewecktes Mädchen im Waisenhaus bis sie nachts draußen eine gewaltige Gestalt erblickt. Der BFG (Mark Rylance), Big friendly giant, ist tatsächlich ein liebevoller, vegetarisch lebender Riese mit noch größerem Herzen. Wie ein Nachtwächter schleicht er durch ein altes London, um den Menschen selbst gemixte Träume einzuhauchen. Panisch, weil er erwischt wurde, entführt er Sophie in seine Höhle im Riesenland und baut ihr ein winziges Nachtlager inmitten von großen Gläsern voller Träume.

Es ist grandios, wie sich der Riese in nächtlicher Stadt und Landschaft versteckt, wie es sich an die Schatten der Häuser und Bäume anpasst. Hier beeindruckt „BFG" erstmals mit seiner Animation. Während Ruby Barnhill ihre Sophie herzergreifend spielt, wurden Mimik, Gesten und Bewegungen vom Schauspieler Mark Rylance (aus Spielbergs „Bridge of Spies") mit Hilfe des Motion Capture-Verfahrens zum lebendigen und erstaunlichen Wesen BFG. Das ist nach einigen plumpen Versuchen mit Tom Hanks („The Polar Express") und Jim Carrey („Eine Weihnachtsgeschichte") eine erfreuliche Entwicklung.

So erleben wir BFG als überaus feinfühliges Wesen, hinter großen Augen und Ohren steckt eine enorme Sensibilität für alle Wesen dieser Welt. Über seine niedliche und witzige Fantasie-Sprache lernt Sophie die Sorgen dieses Kerls kennen, der von noch größeren, fleischfressenden Riesen namens Mädchenmanscher oder Kinderkauer gequält wird. Weil diese mittlerweile auch Sophie gerochen haben, müssen die neuen Freunde einen Rettungsplan entwerfen.

„BFG" ist nicht nur ein faszinierendes Spiel mit Groß und Klein, mit Real- und Trickfilm. Wie es Sophie und BFG mit einem beherzten Sprung vormachen, wechselt man begeistert ins Traumland von Roald Dahl. „BFG" ist auf jeder Ebene, in jeder Hinsicht fantastisch. Das Drehbuch stammt von der kürzlich verstorbenen Melissa Mathison, die auch „E.T." geschrieben hat. An diesen Spielberg-Klassiker erinnert kurz eine Berührung der Fingerspitzen zwischen Sophie und BFG.

Etwas albern wird zum Ende die richtige Welt, wenn die ungleichen Freunde die Königin von England (Penelope Wilton) um Hilfe bitten. Dann sind die verrückten Maßstäbe umgekehrt, BFG speist kaum vornehm mit Heuforke und Säbel. Ein wundersames grünes Getränk, das in die verkehrte Richtung blubbert, tut als grandioser Pups-Scherz selbst bei der steifen Monarchin seine Wirkung.

Leider wird all das Staunen, Lachen und Bangen von der viel zu dick auftragenden Musik John Williams extrem verstärkt. Das ist keine Musikbegleitung mehr, das ist gleich ein komplett eigenständiges symphonisches Werk. Aber das Fest für die Augen und Herzen, das Spielberg mit „BFG" wieder bereitet, ist selbst größer als dieses Getöse.

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