7.6.16

Sky (2015)

Frankreich, BRD 2015 Regie: Fabienne Berthaud mit Diane Kruger, Norman Reedus, Gilles Lellouche 103 Min. FSK: ab 12

Als das ehemalige Fotomodell Diane Kruger 2004, geborene Heidkrüger aus Niedersachsen, als Helena auf den Mauern von „Troja" rumstand, traute man ihr nicht viel mehr als Gutaussehen zu. Spätestens bei „Barfuß auf Nacktschnecken" (2010) musste man erkennen, dass sie richtig gut Schauspielen kann. Fabienne Berthaud führte Regie bei der Geschichte einer Pariser Karrierefrau, die im Kümmern um ihre kleine Schwester auf dem Land wieder zu sich selbst findet. Nun, in „Sky", dem nächsten Kruger-Film mit Fabienne Berthaud verliert sich Krugers Figur Romy auf einer USA-Reise. Das Bilderbuch-Glück mit Cabrio vor den Wüstenlandschaften Nevadas zerbricht, als ihr Mann Richard (Gilles Lellouche) besoffen seinen Frust rauslässt, Romy erniedrigt und versucht, sie zu vergewaltigen. Nach einem kräftigen Schlag mit der Lampe vor den Kopf bleibt er reglos am Boden zurück.

Panisch flieht die Französin auf den endlosen Wüsten-Highways, bis sie in Las Vegas landet. Surreal posiert sie mit zwei Elvis-Darstellern und einem heruntergekommenen Show-Unikat für Touristen-Selfies in den glitzernden Straßen. Dabei beeindrucken Mut und Entschlossenheit, mit denen Romy in der völlig fremden Umgebung ihr Leben in den Griff bekommen will. Das gelingt ihr, bis sie auf den rauen, einzelgängerischen Cowboy Diego (Norman Reedus aus „The Walking Dead") trifft. Nach einer gemeinsamen Nacht taucht sie vor seiner Farm auf und lässt sich weder von indirekten noch von deutlichen Hinweisen des Einzelgängers vertreiben. Erst als die Frau, die schon viele Fehlgeburten erleben musste, doch schwanger wird, kommt er mit seiner Wahrheit an gleißende Wüsten-Licht.

Fabienne Berthaud und Diane Kruger gelingt eine erstaunliche Selbstfindung in einem lebensfeindlichen und hochgradig künstlichen Umfeld. Die Scheinwelt von Vegas inmitten der Wüste, eine große Liebe inmitten oberflächlicher Beziehungen. Man folgt dieser entschlossenen Selbstfindung auch in dramatischen Momenten mit einem guten Gefühl, weil der Weg dieser Frau so ehrlich und authentisch erscheint. Dabei ist ihre Figur durchaus gebrochen: Für einen Triumphzug der Emanzipation ist Romy viel zu anhänglich und viel zu versessen auf starke Typen. Rau und kantig auch die Umgebung aus Menschen, die im Scheitern Würde oder zumindest Haltung bewahren. Mal ist Romy dabei Beobachterin, dann stürzt sie sich selbst voll in dieses Leben.

„Sky" unterscheidet sich von ähnlichen Geschichten in der durchgehend einfühlsamen und feinen Sorgfalt. Nicht nur das außerordentliche Spiel von Diane Kruger, auch das Buch, das Fabienne Berthaud zusammen mit Pascal Arnold schrieb, und vor allem die betörenden Bilder der Kamera-Frau Nathalie Durand machen diesen sehr ungewöhnlichen, manchmal sogar märchenhaften Weg zu sich selbst so ungemein sehenswert.

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