14.6.16

Schau mich nicht so an

BRD, Mongolei 2015 Regie: Uisenma Borchu mit Uisenma Borchu, Catrina Stemmer, Josef Bierbichler, Anne-Marie Weisz 88 Min. FSK: ab 16

Ein modernes Hybrid-Taxi fährt durch eine Hütten-Siedlung mit unbefestigten Straßen, in ihm ein blondes Mädchen unter lauter asiatischen Gesichtern. Wie die aus der Mongolei stammende Hedi (Uisenma Borchu) mit der kleinen Sofia (Anne-Marie Weisz) in die Jurte von Hedis alter Mutter kommt, bleibt lange ein Rätsel. Zuerst führt ein harter Schnitt zurück in eine deutsche Wohnung mit Laminat-Boden und dem gleichen Mädchen: Iva (Catrina Stemmer) hat es ziemlich schwer mit ihrer bockigen Tochter. Die Nachbarin Hedi wickelt das Kind hingegen mit ihrer coolen Art um den Finger. Und auch noch die verhaltene Deutsche Evi, die sich misstrauisch nach der neuen Freundin der Tochter erkundigt.

Was will diese unglaublich selbstsichere, herrische und manipulative Frau? Von Sofia, von Iva und schließlich auch von Ivas entfremdeten Vater? Dass sie mit allen im Bett landet, in einer Szene, die auch im David Lynch-Film nicht weniger irritieren würde, kann man als schockierenden Höhepunkt dieser absolut ungewöhnlichen und in allen Qualitäten sensationellen Filmüberraschung sehen. Was all den anderen so packend gelungenen Szenen unrecht tun würde: „Schau mich nicht so an" steht mit seiner Geschichte scheinbar auf dem Boden bürgerlichen Lebens. Doch diese Hedi – gespielt durch die bemerkenswerte Regisseurin und Autorin selbst – stellt alles auf den Kopf. Mit einer Anziehung, die sehr sexuell funktioniert, aber weit darüber hinaus geht. Sie ist unheimlich wechselhaft in ihrem Aussehen, was der sprunghafte Schnitt noch verstärkt. Großartig auch der Gegensatz der völlig unterschiedlichen Charaktere, der forschen Mongolin und die zurückhaltend verklemmten Deutsche, bei der erst Alkohol Lockerheit erzeugt. Hedi greift sehr manipulativ in die Erziehung und sogar in die Psyche von Evi ein. Doch ihr Motiv bleibt mysteriös, die Anfangs-Szene in der Mongolei sorgt nicht für Klärung, nur für Spannung. Die deutsche Sommersensation ist zudem irre gut gespielt, bis hin zur überzeugend lebendigen Sofia von Anne-Marie Weisz. Dass bis auf den vertraut gewaltig präsenten Josef Bierbichler alle Laien sind, macht dies alles noch erstaunlicher.

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