27.6.16

Nur wir drei gemeinsam

Frankreich 2015 (Nous trous ou rien) Regie: Kheiron mit Kheiron, Leïla Bekhti, Gérard Darmon, Zabou Breitman 102 Min. FSK: ab 12

Der französische Schauspieler und Komiker Kheiron präsentiert seine autobiographische Geschichte „Nur wir drei gemeinsam" mit Tragik und Witz: Hibat (Kheiron) wächst im Iran der Fünfziger Jahre als eines von zwölf Kindern auf, lernt früh etwas übers Teilen aber auch über strategisches Denken beim kargen Abendessen. So wird aus ihm Anwalt und linker Widerstandskämpfer gegen das Regime des Schahs. Verurteilt zu zehn Jahre Haft wird der junge Mann zur Legende, weil er sich weigert, zum Geburtstag des Schahs Kuchen zu essen. Monatelange Isolationshaft und Folter sind die Folge, während draußen das Regime zusammenbricht. Er und seine Freunde halfen mit, den Schah zu stürzen, um mit Chomeini einen neuen Diktator zu erleben.

Wieder landet Hibat auf der Fahndungsliste, nun aber resolut unterstützt von seiner Frau Fereshteh (Leïla Bekhti). Eine wunderbare Montage verbindet zu einer Klaviermelodie die Geburt ihres Sohnes mit den stummen Bildern von Verhaftungen und Hinrichtungen der Freunde. Das wirkt authentisch, erschütternd und berührend. Und gleich danach herzlich komisch, wenn ein neuer Bekannter feststellt, dass „dieser Typ, der den Kuchen vom Schah nicht gegessen hat", jedoch sehr viel Schiss vor der eigenen Frau hat. Auf der Flucht der jungen Familie sind die Soldaten kurz davor, belastende Dokumente in der Windel des Kindes zu finden. Bis es sich auf die Uniform übergibt und den Häschern die Kontrolle zu sehr stinkt.

Selbst der traurige Abschied von einem Land, das Hibat und Fereshteh nie wieder sehen werden, erfährt direkte Konterkarierung, wenn das Paar nach der Flucht auf Pferden über die Berge mit O-Beinen und wunden Hintern wegschleicht. Nach einem Jahr im Untergrund in Istanbul geht es nach Paris. Das neue Leben dort überwindet Schwierigkeiten, der Optimismus von Hibat bringt sogar ein verwahrlostes Wohnviertel zu neuer, gemeinschaftlich organisierter Blüte, ein Glücksfall vielfältiger Integration.

Die iranischen Verhältnisse in zwei Diktaturen und die schwierige Integration in Frankreich erzählt „Nur wir drei gemeinsam" episodenhaft wie die Animation „Persepolis". Regisseur, Autor und Hauptdarsteller Kheiron erweist sich in dieser Lebensgeschichte seiner Eltern als Ausnahmetalent. Endlich mal ein Bühnen-Komiker, der wirklich Schauspielen kann. Und Drehbücher schreiben, und Inszenieren. Sowohl sehr schöne Landschafts-Aufnahmen voller Sehnsucht nach der verlorenen Heimat, als auch melancholische Historienbilder. Sowohl in pointierten Szenen vom Leben in den französischen Brennpunkten, als auch in den kurzen Momenten, welche die vielen lebendigen und authentisch wirkenden Figuren prägnant charakterisieren. Ein ungemein liebenswerter, optimistischer und sympathischer Film, der beweist, dass es in Frankreich ohne „ziemlich" bessere Tragikomödien und Filme gibt.

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