15.6.16

Das Talent des Genesis Potini

Neuseeland 2014 (The Dark Horse) Regie: James Napier Robertson mit Cliff Curtis, James Rolleston, Kirk Torrance, Wayne Hapi 124 Min. FSK: ab 12

Der Nachfolger von „Herr der Ringe", was den Drehort Neuseeland betrifft, hat nicht viel mit dem Hobbit-Tourismus zu tun: Sehr real zeigt „The Dark Horse" (so der Originaltitel) das hoffnungslose Leben der Maori. Der manisch-depressive Genesis Potini (Cliff Curtis) wird wieder einmal aus der Klinik entlassen – in die Obhut seines Bruders Ariki (Wayne Kapi), der Mitglied einer kriminellen Biker-Gang ist. Das erwünschte stabile Umfeld erweist sich als raues, brutales Chaos. Doch als Genesis Potini - Spitzname Dark Horse – sich um die jugendlichen Mitglieder eines örtlichen Schachclubs kümmert, kommt das Beste des gutmütigen Riesen zum Vorschein: Er verbindet die Erklärung des Schachspiels sehr schön mit alten Geschichten und Wissen der Maori. Den Kindern, die hier eigentlich nur abgestellt wurden, gibt er über das Spiel der (Maori-) Könige Hoffnung und Selbstrespekt. Sein eigener Neffe, ein sensibler Junge und talentierter Schachspieler, steht kurz davor, mit Aufnahme in die Biker-Gang ein Knochenbrecher zu werden.

Die teils schockierten, teils verächtlichen Blicke der Weißen beim traditionellen Turnier machen die Lage der Ureinwohner im eigenen Land ebenso nachfühlbar wie die frustrierenden Lebensumstände der Protagonisten. Der Hollywood-Star Cliff Curtis („Stirb langsam 4.0", „Fear the walking dead") verkörpert diese intensive Figur mit all ihren Leidenschaften und Abgründen ungemein mitreißend. Der Film basiert auf dem Leben des realen Schachgenies Genesis Potini (1963-2011), dem bereits 2003 die Dokumentation „Dark Horse" gewidmet wurde. In der Tradition von Lee Tamahoris „Die letzte Kriegerin" und Niki Caros „Whale Rider" fesselt „Das Talent des Genesis Potini" gleichzeitig mit der universellen Geschichte von Hoffnung für Ausgegrenzte und dem Einblick in das harte Leben der Maori von heute.

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