18.5.16

X-Men: Apocalypse

X-Men: Apocalypse

USA 2016 Regie: Bryan Singer mit James McAvoy, Michael Fassbender, Jennifer Lawrence 145 Min. FSK: ab 12

Der x-te X-Men-Film ist zwar wieder so ein Superhelden-Gedöns und noch eine Comic-Verfilmung zur Kinoverstopfung, aber auch ein Film von Bryan Singer. Der beispielsweise ebenfalls mit X-Man Ian McKellen den Holocaust-Film „Der Musterschüler" realisierte, sowie als offen Homosexueller und Jude die Außenseiter-Thematik der Comic-Serie durchaus als ernst empfindet.

Zuerst erzählt dieses doppelte Prequel allerdings extrem mühsam, bringt umständlich Handlungsfäden und Figuren zusammen. Es geht zurück zu den jungen X-Männern und –Frauen, zur Regierungszeit Reagans und auch hinter den Eisernen Vorhang. Dann aber richtig weit bis 3600 Jahre vor unserer Zeitrechnung zu den alten Ägyptern. Zumindest zu dem was Hollywood so an Kulissen und Computertricks aus der Periode hat. Deshalb sieht die Vorstellung vom allerersten und allermächtigsten Mutanten nur allzu bekannt und keineswegs eindrucksvoll aus. Ein Eindruck, der den ganzen Film begleitet.

Wieder in der Anfangs-Zeit von Xavier und Magneto während der Siebziger Jahre erweckt eine Art ägyptischer Steam-Punk mit Leiterbahnen aus Gold den Akku des Super-Mutanten. Ein weltweites Beben rüttelt alle verstreuten Figuren und die entschlummerten Zuschauer auf. Ruckzuck geht es ums Ganze - das Ende der Welt ist extrem einfallslos, was es den Rest des Films zu verhindern gilt.

Der erste Mutant aller Zeiten will selbstverständlich die Apokalypse des Titels, allmächtig und immer begleitet von vier Anhängern. Ihnen verspricht er einen Anteil der Allmacht. Das ist insofern politisch, weil man ein Erfolgskonzept von Nationalsozialisten und anderen Rattenfängern darin sehen könnte. Zudem entspricht die Situation der Mutanten der von Homosexuellen, die sich nicht trauen, aus ihrem Versteck herauszukommen.

Doch das ist mit viel gutem Willen hinein interpretiert in einen sehr schwachen dritten Teil des „X-Men"-Prequels. Der dritte Teil ist immer der schlechteste - das kommentiert sogar der Film selbst. Erst nach neunzig Minuten beginnt ein spannender Film, der aber wieder in den üblichen Prügeleien mündet. Selbst die größten Mentalisten benutzen am Ende ihre Fäuste. Erbärmlich! Während Duelle wie zwischen Superman und Batman völlig hirnrissig sind, hatte bei „X-Men"der Konflikt zwischen Hoffnung und negativer Weltsicht, zwischen Xavier und Magneto, eine wenigstens ein universelles Thema: Wie geht man mit Schmerz und Wut um?

Auch „X-Men: Apocalypse" versucht mehr als öde Superhelden-Albernheit zu sein, vergisst aber die Anforderungen an einen guten Film. Für die Fans werden die Superhelden vorgeführt, für die Produktions-Millionen haufenweise Mutanten-Tricks. Am Ende ist eine digitale Vernichtungsorgie gewaltigen Ausmaßes auch nur „State of the Art", was anderes fällt Hollywood gerade nicht ein. Nur Michael Fassbender, der in der Magneto-Rolle die größte tragische Fallhöhe hat, nimmt man selbst den Part des telepathischen Altmetall-Sammlers ab. Allerdings überlegt man irgendwann: Wieso hat es dieser ägyptische Über-Mutant in tausend Lebensaltern eigentlich das mit der Apokalypse noch nie hinbekommen? Leider ist der neue Bryan Singer ein Film, bei dem man besser nicht nachdenken sollte, es aber aus Langeweile nicht vermeiden kann.

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