2.5.16

Triple 9

USA 2016 Regie: John Hillcoat mit Casey Affleck, Woody Harrelson, Kate Winslet, Anthony Mackie, Chiwetel Ejiofor 116 Min. FSK: ab 16

Man hätte es schon früher ahnen können, als diese junge Schauspielerin ihren neuen Bekannten bei der Kreuzfahrt im Atlantik eiskalt ertrinken ließ. Zuletzt versuchte Kate Winslet mit bösen Ränkespielen in „Die Bestimmung" einen ganzen Staat an sich zu reißen und die Jugend zu verderben. Und dann sah man sie - leider nur auf der DVD „Dressmaker" - als herrlich bösartigen Rache-Drachen in Australien. Doch jetzt setzt Winslet den Gemeinheiten eine besonders schöne Krone auf: Kate Winslet steht als Irina Vlaslov mit roten Pumps im Blut einer koscheren Schlachterei. Deren eigenen Geschäfte sind keineswegs koscher. Als Patin der Russenmafia in Atlanta lässt sie eine Handvoll Polizisten Raubzüge für sie begehen. Dabei ist sie nicht hinter Geld her, sondern will belastende Dokumente vom Staat klauen.

Michael Atwood (Chiwetel Ejiofor) ist Kontaktperson für Irina Vlaslov - und mehr. Der harte Cop hat ein Kind mit Vlaslovs Schwester und gnadenlos kontrolliert die blonde Killerin den Ex-Schwager. Denn nach erfolgreicher Aktion und Action gibt es nicht das versprochene Geld. Stattdessen mehr Druck und einen noch schwierigeren Auftrag. Um die Aufmerksamkeit von einem Diebstahl heikler Daten abzulenken, muss ein „999" her. Der titelgebende (Triple 9) Mord an einem Polizisten. Ein brutales Spiel beginnt, bei dem es nur Verlierer gibt.

Regisseur John Hillcoat ist einer der Gewaltmenschen des Kinos: Zuletzt inszenierte er den unglaublich intensiven Western „Lawless - Die Gesetzlosen" nach einem adaptierten Drehbuch von Nick Cave. Zuvor beeindruckte er schon mit dem Endzeit-Drama „The Road" (2010) und dem Gefängnisfilm „Ghosts... of the civil dead" (1988). Nun meistert er den knallharten Cop-Thriller „Triple 9" ohne mit Klischees dieses beliebten Genres zu langweilen. Dazu trägt die Kamera von Nicolas Karakatsanis mit dunklen und rauen Szenen bei, aber vor allem die grandiose Besetzung: Kate Winslet liest dem Neffen, der auch Geisel ist, Kindergeschichten vor, um direkt danach ein paar kleine Betrüger hinrichten zu lassen. Woody Harrelson als sehr lässiger und verkommener Kommissar Jeffrey Allen mit entstellendem Überbiss ist der letzte Hoffnungsträger in einer korrupten Gesellschaft. Wenn da nicht der unkontrollierbare Neuling aus dessen Familie wäre: Der Polizist Chris Allen (Casey Affleck) kommt aus einer besseren Gegend, ist eigentlich verdammt, im harten Krieg gegen die Gangs unterzugehen. Wie erwartet legt er sich immer mit den falschen an. Doch nach der anfänglichen Überraschung, dass es Polizisten sind, die den Raub sehr professionell durchgezogen haben, gibt es auch beim Niedergang der Cop-Gang noch ein paar unerwartete Wendungen. Mit der erwartet hohen Zahl an Toten.

Man muss solche Filme nicht mögen, aber in einer Kino-Zeit mit Superhelden-Nichtigkeiten, die hauptsächlich aus Prügeleien bestehen, wirkt diese Gewalt aus der echten Welt sogar befreiend. Vor allem, wenn sie von einem Könner wie Hillcoat packend inszeniert wurde, und wenn reihenweise gute Schauspieler schauspielern dürfen, statt in bunten Strumpfhosen durch die Luft zu fliegen.

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