16.5.16

The Witch (2015)

USA, Großbritannien, Kanada, Brasilien 2015 (The VVitch: A new-england folktale) Regie: Robert Eggers mit Anya Taylor-Joy, Ralph Ineson, Kate Dickie, Harvey Scrimshaw 92 Min. FSK: ab 16

Gerne spielt sich nord-amerikanischer Horror in Neubauten auf dem Boden alter Indianer-Friedhöfe ab. Der von „The Witch" breitet sich um 1630 in Neu-England pur religiös aus, da die Indianer von den neuen Siedlern ja noch nicht erfolgreich unter die Erde gebracht wurden: Gerade von ihrer Puritaner-Gemeinschaft aus der befestigten Siedlung geworfen, versucht eine extremistisch religiöse Familie mit fünf Kindern in der Wildnis zu überleben. Zu schlechten Ernten und Jagdunfällen gesellen sich immer mehr schreckliche Ereignisse. In Sachen Schauerlichkeit halten sich die blutigen Schrecken die Waage mit den gegenseitigen Vorwürfen, man wäre nicht gottesfürchtig genug oder gar eine Hexe. Alle, auch schon die schnell lernenden Kinder (siehe „Das weiße Band"), probieren sich an dem Puritanismus aus, alle kümmern sich mehr um die Religion als um die Felder, alle scheitern an den selbstauferlegten, innerlichen Selbstkasteiungs-Pflichten. Schließlich räumt dieser Horror derart gründlich mit der Familie auf, dass wir heute ein anderes Amerika hätten, würde die Geschichte tatsächlich auf „Fakten" basieren, wie der Abspann behauptet.

Während die Bilder des Siedler-Lebens in der noch ungezähmten Natur zwar farbreduziert, aber doch eindringlich klar wirken, präsentiert diese ungewöhnliche Variante von Horror und Mystery ihre Schrecken ganz selbstverständlich in Parallelmontage mit kräftigen Rot-Tönen. Erfreulich und fast verstörend, dass „The Witch" so ganz ohne die Schockmomente und schleichenden Kameras des Teenie-Horrors auskommt. Zwischen den vor allem von der Tonspur her beängstigenden Szenen hoppeln Kaninchen und schwarzer Ziegenbock herum - so irritierend wie der sprechende Fuchs bei Lars von Triers „Antichrist". Wie die arme Siedler-Familie zwischen Gott und Teufel unentschieden ist, hängt auch der formal sehr konsequente und ansehnliche Film zwischen Horror und Arthouse. Wobei Letzteres ja gerade in der Abwesenheit von Ersterem für die Fans des Schreckens der schlimmste Horror ist. Also liegt mitten zwischen den Stühlen wohl nicht viel Erfolg.

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