10.5.16

Remainder

Großbritannien, BRD 2015 Regie: Omer Fast mit mit Tom Sturridge, Cush Jumbo, Ed Speleers 103 Min.

Ein Unfall steht am Anfang und am Ende dieses extrem spannenden und mysteriösen Films: Ein Gegenstand fällt Tom (Tom Sturridge) mitten in einem Stück Stadt aus hochmoderner Glas- und Stahl-Architektur auf den Kopf. Er verliert seine Erinnerung und erhält 8,5 Millionen Britischer Pfund Schmerzensgeld. Die Gelegenheit eines neuen Lebens mit eindrucksvollen finanziellen Möglichkeiten zu seinen Bedingungen, so beschreibt es der Anwalt. Tom baut sich aus sehr verwirrenden Erinnerungs-Fragmenten, die immer wieder auftauchen, darauf eine ganze eigene Welt. Er lässt sich ein komplettes Mietshaus nach seinen Erinnerungen rekonstruieren, castet die Bewohner und die schwarzen Katzen, die sich mit Hilfe von Trainern auf dem Dach tummeln sollen. Diktatorisch verlangt er vom gemieteten Musiklehrer, dass dieser auf dessen Etage Chopin erneut komponieren soll, während in einer anderen Wohnung eine Frau für die Geruchskomponente der Erinnerung andauernd Leber brät. Zusätzlich wünscht er sich für die Authentizität der Szene Wolken herbei. Aber immer mehr fixieren sich Tom und der Film auf die Rekonstruktion eines Banküberfalls, bauen die ganze Bank nach und lassen üben, bis die Schauspieler den Raubzug tatsächlich real begehen könnten...

Regisseur Omer Fast galt bislang als Videokünstler, war auf der Dokumenta 13 vertreten und legt mit der Verfilmung des gleichnamigen Romans von Tom K. McCarthy ein sensationelles Spielfilm-Debüt hin. „Remainder" - ein Wortspiel aus den englischen Worten für Reste (Remains) und Erinnerung (Reminder) - steht in einer Reihe mit Meisterwerken wie „Memento", „12 Monkeys" oder David Lynchs filmische Möbiusschleife „Lost Highway", die das Gehirn in neue Kurven legen.

Wie in Charlie Kaufmans Jahrhundertwerk „Synecdoche New York" - und wie bei jedem Spielfilm - rekonstruiert hier jemand die Realität auf wahnsinnige Weise. Da entwickelt sich das Nachspielen eines Banküberfalls zum Set einer kompletten Straße. Aber eine verrückte Wendung von dieser Versponnenheit zurück ins Leben, leitet das Finale eines atemberaubend genial konstruierten Films ein. Der auch glatt als Thriller durchgeht und sich nebenbei eines Koffers raffiniert als spannungstreibenden McGuffin im Sinne Hitchcocks bedient. Wobei Omer Fast immer noch Kunst zeigt, denn endlich traut sich ein Film mal wieder Bilder jenseits des Mainstreams zu zeigen.

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