23.5.16

Money Monster

USA 2016 Regie: Jodie Foster mit George Clooney, Julia Roberts, Jack O'Connell 99 Min. FSK: ab 12

George Clooney hat ein Gesicht, dem man alles glaubt. Von Kapsel-Kaffee bis zu seinen politisch engagierten und klugen eigenen Regiearbeiten und wie er sich mit seiner Frau Amal Ramzi Alamuddin Clooney für Flüchtlinge einsetzt. Wie raffiniert, ihn nun als einen der Seelen- und Börsenverkäufer einzusetzen, die sich Wirtschafts-Journalisten schimpfen! Frisch aus Cannes kommt der neue, sensationelle Film von Jodie Foster.

Clooneys Lee Gates feiert gerade wieder schäbig marktschreierisch mit Tanz und grellen Grafiken den neuesten Anlage-Tipp. Die Pleite von gestern ist mit einem breiten Grinsen und einem dieser austauschbaren Sprüche schon vergessen. Doch nicht für eines der Opfer dieses Kurssturzes, der das Schweigen der Opfer-Lämmer unterbricht, der mit Pistole und Sprengstoff ins Studio stürzt. Kyle Budwell (Jack O'Connell) war einer, der den unglaublichen Versprechungen auf schnellen Reichtum geglaubt hat. Seine 60.000 Dollar waren unter den 800 Millionen, die verbrannt wurden – also in anderen Taschen gelandet sind.

Nun entwickelt sich live im Fernsehen ein Wirtschafts-Krimi: Der verzweifelte Kyle und der eitle Lee sind die Verlierer im Studio, aus dem Regie-Raum souffliert die kluge Patty Fenn (Julia Roberts) per Knopf im Ohr. Die Polizei erhöht den Druck von außen. Doch wie bei der ganzen Börsen-Abzocke ist auch hier vom Staat nichts Vernünftiges zu erwarten. Die Frauen hingegen sind auf dem besten Wege, die Sache zu entschärfen. Aufgrund der eigentlich ganz einfachen Fragen des einfachen Mannes Kyle startet Patty im Hintergrund eine rasante Recherche nach den wahren Ursachen des Kursverlustes. Endlich mal! Diane Lester (Caitriona Balfe), die Pressesprecherin des betroffenen Unternehmens versucht herauszubekommen, was ihr Chef Walt Camby (Dominic West) eigentlich so treibt. Nur Kyles schwangere Freundin ist gar nicht hilfreich, als sie – von der Polizei zugeschaltet – explodiert und ihren Versager richtig klein macht.

Ja, komisch ist er zwischendurch auch noch, der großartige, spannende und politisch sehr deutliche Film von Jodie Foster. Das muss sich erst mal jemand trauen und es dann noch können: Zu packen, zu unterhalten und ganz deutlich zu sagen: „Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?" Oder den alten Brecht auf heute gemünzt: „Was ist die Geiselnahme eines Börsenspezialisten gegen die täglichen Verbrechen der Börsenspezialisten?"

Jodie Foster macht es zwar sehr spannend, aber ihre Idee ist verblüffend einfach: Wir nehmen einfach einen dieser Börsen-Schwätzer aus den Medien als Geisel. Denn an die hauptsächlich Verantwortlichen kommt man ja nicht ran. Und die Aussagen in Fosters Film gelten weltweit (außer in Island, dem einzigen Land, das seine Banker nach der Banken-Krise verknackt hat): „Sie nehmen alles und kommen davon!" „Sie zahlen keine Steuern!" „Nicht die Muslims, die Banker sind das Problem!" Dafür macht sich Clooney, der den Film auch mitproduzierte, zum chaotischen und selbstverliebten Affen. Bevor er statt mit den richtigen Aktien, mit den richtigen Aktionen die richtige Seite wählt. Auf den Spuren von Sidney Lumets Klassiker „Network" aus dem Jahre 1977 schuf, Foster, die fast nur noch hinter der Kamera aktiv ist, einen hervorragenden Thriller, der deutlich die Pest unserer Zeit anklagt.

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