31.5.16

Green Room

USA 2016 Regie: Jeremy Saulnier mit Anton Yelchin, Imogen Poots, Patrick Stewart 96 Min. FSK: KJ

Wer statt Fußballer-Köppen Filmfarben sammeln will: Nach dem großartigen, klugen, gegen den Strich gebürsteten Rachefilm „Blue Ruin" von Regisseur Jeremy Saulnier folgt nun der ebenso intensive „Green Room", der allerdings noch etwas brutaler ist. Ein mit Imogen Poots und Patrick Stewart exzellent besetzter Grenzfall zwischen hervorragendem Kino und schwer erträglicher Gewalt. Die allerdings inmitten einer Neonazi-Gang nicht deplatziert ist.

Eine erfolglose Punk-Band braucht auf ihrer Tour dringend einen Auftritt fürs Benzingeld und landet in einem amerikanischen Nazi-Camp mit gefährlichen Hinterwäldlern und Rechten in Fliegerjacken. Als erstes Lied singen sie trotzdem „Nazi Punks Fuck off!" von den Dead Kennedys. Dass sie dann einige Flaschen an den Kopf bekommen, scheint normal. Später wird die Stimmung mit wildem Pogo-Tanz sogar recht gut. Dass sie allerdings Zeugen eines Mordes werden, macht das Backstage allerdings zu einer tödlichen Falle: Eingeschlossen im grünen Raum voller Nazi-Kram und vor der Tür warten bewaffnete Skinheads.

Erfreulicherweise erweisen sich die Punks in dieser klaustrophobischen Situation nicht als Superhelden oder Action-Figuren während sie einen der Nazis als Geisel nehmen. Aber auch die rechten Kampf-Fanatiker sind überfordert mit der Situation und holen professionelle Hilfe von außen. Patrick Stewart gibt kaum wieder zu erkennen den Ober-Nazi, dabei haben die Verhandlungen mit dem Eingesperrten die gleiche Intensität wie seine Shakespeare Darstellungen. Allerdings beginnt in der zweiten Hälfte ein extrem brutales Gemetzel, das man nur wegen der enormen Spannung mitmacht. Ein Backstage-Kammerspiel, ein bemerkenswerter Zwitter aus großartiger Regie, bestem Schauspiel und deftigem Splatter ohne Jugendfreigabe.

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