12.4.16

The Jungle Book

USA 2016 Regie: Jon Favreau mit Neel Sethi 106 Min. FSK: ab 6

Als die (Film-) Welt noch flach war, kam Rudyard Kiplings „Dschungelbuch" als Zeichentrickfilm von Disney ins Kino und begeisterte seitdem Generationen. Nun gestaltete Jon Favreau, der Regisseur des „Ironman", die Erwachsenwerdung von Mogli, was Warnung genug sein sollte: In diesem Dschungel (-buch) geht es eher rund als ans Herz.

Das Menschenkind Mogli wächst im indischen Dschungel unter Wölfen auf und lebt nach den Regeln des Rudels. Obwohl Mogli seine ungewöhnlichen Tricks nicht anwenden soll, wandelt er sich langsam vom Tier zum Menschen. Erst recht als der Tiger Shir Khan auch diesen Menschen zu seinem persönlichen Feind macht und aus dem Dschungel vertreiben will. Nun kann selbst sein väterlicher Beschützer, der Panther Baghira, dem Menschenkind nicht mehr helfen. Doch in dem gemütlichen Bär Balu findet es einen neuen Freund, um zuerst den Orang-Utan King Louie und schließlich auch Shir Khan zu besiegen.

Disney macht nicht nur aus dem neu eingekauften „Star Wars" eine Fließband-Produktion, auch die eigenen Zeichentrick-Klassiker kommen um ein Recycling nicht herum: „Dornröschen" wurde bereits mit „Maleficent" unsanft aus dem Schlaf geweckt und „Cinderella" in einer Real-Verfilmung mächtig entstaubt. „The Jungle Book" ist nun eigentlich bei all den gepixelten Illusionen kein Real-Film, sieht aber in jedem Tierhärchen verblüffend echt aus. Und ist ansonsten überwältigend bis erschreckend. Also oft nichts für kleine Kinder. Und auch nichts für die Kinder, die den Trickfilm „Das Dschungelbuch" von 1967 gesehen haben.

„The Jungle Book" ist immerhin ein Film von Jon Favreau, ein bekannter Schauspieler und sehr geschätzter Regisseur von „Ironman" aber auch vom kleinen, sehr sympathischen „Kiss the Cook". Favreau kann also die Kino-Klaviatur in jeder Tonlage und Lautstärke bespielen. Diesmal haut er heftig in die Tasten eines dauernd lauten Überwältigungskinos, das alle Fans des Zeichentrickfilms abschrecken muss. Es reduziert zudem die Mogli-Kapitel aus Kiplings siebenteiligem Werk auf eine Rache-Geschichte, auf das Duell Mensch gegen Tiger.

Die völlig irritierenden Mundbewegungen der sprechenden Tiere werden im Original von ausgezeichneten Sprechern wie Bill Murray (Balu), Ben Kingsley (Baghira), Christopher Walken (King Louie) oder Idris Elba (Shir Khan) aufgewogen. Wer möchte sich nicht von der Stimme Ssscarlett Johansssssonsss („Her", „Under the Skin") in der Haut von Kaa hypnotisieren lassen. So wirken die tierischen Charaktere zwar echt, doch immer im Zusammenspiel mit dem armen jungen, immer rennenden und hüpfenden Action-Darsteller Neel Sethi fällt das Konstrukt auseinander. Die Probleme des angeblichen Kolonialismus in Kiplings Roman spielt Balu runter mit der Bemerkung das Gesetz des Dschungels „sei kein Lied, sondern Propaganda". Sein Lied „Versuchs mal mit Gemütlichkeit" überlebt neben dem Evergreen „I wanna be like you" von King Louie (durch Christopher Walken erbärmlich gesungen) tatsächlich als Einziges den Sprung vom Klassiker zur eher wenig gemütlichen Action-Neuverfilmung.

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