27.4.16

The First Avenger: Civil War

USA 2016 (Captain America: Civil War) Regie: Anthony Russo, Joe Russo mit Chris Evans, Robert Downey jr., Scarlett Johansson 148 Min. FSK: ab 12

Viel Lärm um nichts – Teil 3

Wieder schüttelt es die Action-Figürchen von Marvel durcheinander. Das System des Gastauftritts in der Filmreihe eines anderen Comic-Helden ist mittlerweile so ausgefuchst („dritte Phase"), dass es mehr Kombinationen als beim Schach gibt! Diesmal, im Nachfolger von „The Return Of The First Avenger", dreht sich alles um den gleichen Konflikt wie letztens in „Batman vs Superman" oder in der „X-Men"-Saga: Der Einsatz der Avengers fordert ähnlich viele zivile Opfer wie reale Friedens-Missionen in Syrien. So viel „Collateral damage" müssen die Vereinten Nationen unter ihre Kontrolle bringen. Das führt zu zwei Meinungen in der Superhelden-Sammlung, die selbstverständlich nur in einer riesigen Schlägerei ausgetauscht werden können.

Nach fünf Minuten ziellosem Geballer und Angeberei mit Superhelden-Tricks ist dieser Konflikt, der ganz heftig an den Haaren herbeigezogen wird, etabliert. Da ist mittlerweile sogar der Teaser bei Bond besser! Nur der starke Auftritt von Robert Downey jr., dessen schwer gestörter Iron Man gerne mal 600 Millionen für eine 3D-Therapie mit animierter Vergangenheit ausgibt, erweckt Interesse. Zwar werden diese völlig lächerlichen Helden-Figuren erstaunlicherweise von teilweise richtig guten Schauspielern verkörpert, doch Anthony und Joe Russo sind nicht die Regisseure, die aus hervorragenden Schauspielern das Beste herausholen.

Dann dauert es zähe 100 Minuten bis sich zwei Teams aus Super-Sonderlingen gegenüber stehen. Und es bei viel Haudrauf noch uninteressanter wird. Am Ende enthüllt Daniel Brühl als gemeingefährlicher Opferanwalt seinen fiesen Racheplan. Die ganze Kämpferei ist im Prinzip das gleiche wie bei Disneys uraltem Duell "Die Hexe und der Zauberer" - nur teurer.

Hier hat der Marvel-Konzer vor lauter Weltherrschafts-Fantasien vergessen, einen guten Film zu machen. Denn das ist selbst bei Unterhaltung und Action eine Kunst. Dauernd ist die Kamera zu nahe dran und erzeugt ein vor allem nerviges Wirrwarr der Bilder. Witz gibt es nur bei der Rekrutierung von Spider-Boy, der seine Hausaufgaben liegenlässt, um mitzumachen.

„The First Avenger: Civil War" spielt sich vor einem ganzen Spinnennetz von anderen Geschichten und Filmen ab, vergangenen und zukünftigen, die mühsam zusammengeflickt werden müssen. Den ersten Teil des Films schaut man diesem Verweben zu. Wer von Geschichtenerzählen mehr erwartet, als das Versammeln von immer mehr Actionfigürchen in einer Spielekiste, wird gelangweilt sein. Dem Wahnsinn viel zu langer, bedeutungsloser Filme entspricht, dass dies eigentlich nur der endlos ausgedehnte Prolog für die Fortsetzung ist.

Was wirklich erstaunt, ist mit welcher Vehemenz das Problem der Kontrolle von Weltenrettern zum Hauptthema gemacht wird. Die Vereinten Nationen wollen die Avengers kontrollieren. William Hurt äußert als Außenminister deutliche Kritik an US-Außenpolitik. Der Transfer-Schritt von Captain America zur Weltpolizei USA müsste tatsächlich auch für Fans von Superhelden-Verfilmungen machbar sein. Gibt es in dem Grübchen der Superhelden-Film-Produzenten etwa weltpolitische Philosophen? Bisher waren sie mit dem Heftchen und dennoch dünneren Inhalten ja nicht unbedingt in der Gilde der Denker angekommen. Doch die eigentliche Frage ist, was das Ergebnis dieser vermeintlichen Filmepoche sein wird, die Marvel mit aller Marktmacht herbeizwing? Eine Generation von „Fan Boys", die wenig clevere immer alles mit Gewalt regeln wollen?

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