20.4.16

Much Loved

Frankreich, Marokko 2015 Regie: Nabil Ayouch mit Loubna Abidar, Asmaa Lazrak, Halima Karaouane, Sara Elhamdi Elalaoui 103 Min.

Noha, Randa und Soukaina sind Prostituierte in Marrakesch, die in einer Frauen-WG zusammenleben. Wir erleben ihren nächtlichen Alltag exzessiver Partys mit saufenden und koksenden Saudis, die Fleischbeschau mit vielfältigen Erniedrigungen, die unverhüllten, direkten Gespräche der Frauen untereinander.

Soukaina hat einen eifersüchtigen Liebhaber, der sie auch nicht besser behandelt und sie nach dem Quickie auf einem Hinterhof auch noch um Geld anbettelt. Ähnlich verächtlich verhält sich die gierige Mutter von Noha, die immer mehr Geld verlangt, aber die Arbeit der Familienernährerin verachtet. Es gibt Versuche von Liebe, heftige Zicken-Alarme, Treffen mit den Transvestiten-Kollegen und die Vergewaltigung durch den korrupten Polizisten. „Much Loved" will ein gesellschaftliches Bild Marokkos geben. Dabei berührt das Leid der Frauen durch die unterschiedlichen Zwänge, die strukturelle und manifeste Gewalt. Weitere schockierende Details, wie der Straßenjunge, der von Europäern gekauft wird, sind ebenso untergemischt wie atmosphärische Aufnahmen von den Straßen Marrakeschs und wechseln sich ab mit ruhigen, freudigen Momenten der Frauen-Gemeinschaft.

Der marokkanische Regisseur Nabil Ayouch („Mektoub", „Ali Zaoua", „Les chevaux de dieu") entwickelte den Film auf der Basis von Gesprächen mit hunderten Prostituierten. Er gibt sich einen aufklärerischen Anstrich, dabei sind die Hintergründe der Frauen eigentlich etwas dünn entwickelt, auch wenn die Beobachtungen in „Much Loved" wenigstens nicht zu sehr ins Voyeuristische abdriften. Trotzdem soll die Hauptdarstellerin Loubna Abidar nach der Cannes-Premiere Morddrohungen erhalten haben. Ein interessanter Film und regional ein Politikum.

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