27.4.16

Der Schamane und die Schlange

Kolumbien, Venezuela, Argentinien 2015 (El Abrazo de la Serpiente) Regie: Giro Guerra mit Jan Bijvoet, Brionne Davis, Nilbio Torres, Antonio Bolívar 125 Min.

In einer faszinierend eigenen Ästhetik, weit weg von westlichen Sehweisen, erzählt „Der Schamane und die Schlange" von einer doppelten Begegnung von Forschern mit Amazonas-Bewohnern. Zu Anfang des 20. Jahrhunderts stimmt der einsam lebende Schamane Karamakate, der letzte seines Stammes, zu, dem schwer kranken deutschen Forscher Theodor Koch-Grünberg zu helfen. Auf einer langen Flussfahrt suchen sie die geheimnisvolle Yakruna-Pflanze. 30 Jahre später sucht der Botaniker Richard Evans Schultes Karamakate auf. Auch er ist auf der Suche nach der Yakruna. Karamakate hat mittlerweile den Zugang zur Geisterwelt verloren, der Fremde kann mit den Aufzeichnungen seines deutschen Vorgängers die Tradition wieder aufleben lassen.
Die Ethnologen und Natur-Forscher schleppen ihr Wissen auf alberne Weise in haufenweisen Kisten mit sich rum. Das wird nicht nur vom jungen Karamakate verspottet, doch ohne überheblich zu argumentieren, stellt der Film unterschiedliche Konzepte der Wissensvermittlung nebeneinander. Denn Koch-Grünberg will zum Beispiel nicht seinen Kompass bei einem Stamm zurücklassen, damit dieser nicht seine Methode der Orientierung anhand der Sterne vergisst. Im schönen Schwarz-Weiß sind die beiden Geschichten reizvoll verwoben und gewähren nachdenkliche machende Entdeckungen.

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