26.4.16

Bauernopfer - Spiel der Könige

USA 2014 (Pawn Sacrifice) Regie: Edward Zwick mit obey Maguire, Liev Schreiber, Michael Stuhlbarg, Peter Sarsgaard 114 Min. FSK: ab 6

Patriotismus im Kalten Krieg und Diplomatie der Völkerverständigung am Spieltisch. Der Weltmeisterschaftskampf 1972 zwischen Boris Spasski und Bobby Fischer (1943-2008) war viel mehr als ein Schachspiel und ein großes Duell der „Sport"-Geschichte. Edward Zwick („Love and other Drugs", „Blood Diamond", „Traffic") zeichnet mit Tobey Maguire („Spiderman", „Der große Gatsby") ein packendes Psychogramm des us-amerikanischen Sonderlings Fischer.

Mitten im Wahnsinn demontiert Bobby Fischer sein Hotelzimmer auf der Suche nach den Abhör-Wanzen einer jüdisch-kommunistischen Weltverschwörung. Von diesem Intermezzo des Titelkampfes geht der Film zurück in die Kindheit eines Schach-Genies, das hochempfindlich auf alle Geräusche reagiert und nur im Schachspiel abgelenkt ist. Die exil-russische Gesellschaft seiner Mutter in Brooklyn verursacht auch früh einen tiefen Riss in Bobbys Persönlichkeit. Einerseits fasziniert von den Russen, die er aber auch verachtet. Das ergibt im Kalten Krieg, angefeuert durch heimlich vom Staat geleitete Berater eine hochexplosive Mischung, die schon bei einem ersten Show-Kampf in Santa Monica zu Fischers Flucht aus dem Spiel führt.

Spiderman spielt jetzt Schach und Tobey Maguire meistert die Rolle sehr glaubhaft. Auch um ihn herum ist „Bauernopfer" mit Liev Schreiber und Peter Sarsgaard hervorragend besetzt. Denn Gegenspieler Spassky packt mit einer faszinierenden Persönlichkeit ebenso wie der Priester Bill Lombardy (Peter Sarsgaard) in Fischers Team.

Zwick hat den komplizierten Verstand, der zeitweise als genial durchging, packend mit Erinnerungen, Gedankenströmen und spannenden Duellen porträtiert. Zu der Frage, wie man ein Schachspiel fesselnd inszeniert, kommt es gar nicht. In seiner Psychose stört sich der hypersensible Spieler Fischer an den kleinsten Geräuschen, eine weitere Ebene des Psychokrieges wird noch vor der nächsten Partie eröffnet. Interessant auch, dass der Film im Moment des Erfolges abbricht und den besonders wirren Teil von Fischers Biografie nur knapp im Text nachliefert.

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