8.3.16

Trumbo

USA 2015 Regie: Jay Roach mit Bryan Cranston, Diane Lane, Helen Mirren 125 Min. FSK: ab 6

Die Coens machten gerade in „Hail Caesar" noch Scherze über die Swimmingpool-Kommunisten, nun lernen wir mit „Trumbo" einen von „denen" kennen und lieben. Der us-amerikanische Schriftsteller und Drehbuchautor Dalton Trumbo (1905-1976) ist dabei nicht der Strohmann für eine Geschichts-Lektion, für ein Lehrstück in Sachen Aufrichtigkeit. Trumbo, gespielt von Bryan Cranston („Breaking Bad") ist einfach ein klasse Typ. Ein Held, der in seiner Badewanne Drehbücher schreibt, die ihrerseits Geschichte geschrieben haben. Der, immer sein Zigaretten-Mundstück in der Hand, zwei Oscars bekam. Leider erst einmal nicht auf seinen Namen, weil er offiziell ein Berufsverbot von der staatlichen Instanz namens Hollywood erhielt.

Der Hintergrund der „Hexenjagd in Hollywood" ist schnell skizziert: Gegen Hitler und die extreme Arbeitslosigkeit in den USA war es in den 30er-Jahren populär Kommunist und Verbündeter der Sowjetunion zu sein. Was sich mit Etablierung des Kalten Krieges schnell änderte. Aufgeblasene, kleingeistige Politiker - siehe heute AFD oder Konservative - die mit konstruierten Ängsten ihre schwache Position ausbauen wollten, schleppten vermeintliche Kommunisten reihenweise vor einen Parlamentsausschuss (HUAC), wo sie inquisitorisch niedergeschrien wurden und Freunde oder Kollegen denunzieren sollten. Besonders in Hollywood vermuteten die Rechtsradikalen eine linke Verschwörung. Wobei sie bei Brecht vielleicht nicht ganz daneben lagen, aber bei Humphrey Bogart wahrscheinlich Film und Realität verwechselten.

Ronald Reagan war einer der feigen Verräter aus den Filmkreisen, der liebe Trickfilm-Onkel Walt Disney auch. Dalton Trumbo (Bryan Cranston) gehörte hingegen zu den „Hollywood 10", zehn Autoren, die sich weigerten auszusagen und deshalb sogar ins Gefängnis gingen. Danach durchlitt er wie viele Kollegen und tausende Menschen in den USA ein jahrelanges, niemals offiziell angeordnetes Berufsverbot.

In dieser extremen Lage erleben wir Trumbo als sehr geistreichen, klugen und witzigen Autor sowie Familienmenschen. Dieser Schreiberling scheut selbst nicht das Duell mit dem erzkonservativen Dickschädel John Wayne. Unter dem auch ansonsten missbrauchten Label Patriotismus entwickelt sich die widerwärtige Kolumnistin und Kommunisten-Hasserin Hedda Hopper (Helen Mirren) in furchtbar rosa Kostümen zur persönlichen Jägerin Trumbos. Doch der schreibt nach einer entwürdigenden Inhaftierung erst Scripts für billige Filmchen in Serie. Dann holt er solidarisch seine Leidens-Genossen mit ins Boot und auch seine Familie für eine richtige Schreib-Fabrik. Er verkauft unter Pseudonym „Ein Herz und eine Krone" (Roman Holiday), der mit Audrey Hepburn und Gregory Peck zu einem großen Erfolg wurde. Ein echter Witz, dass Trumbo mit seiner Familie auf dem Sofa zusieht, wie dieses Drehbuch den Oscar bekommt. Irgendwann stehen die Großen Schlange vor der Tür seines mittlerweile bescheideneren Hauses: Für Kirk Douglas rettet er „Spartacus", denn der hat Rückgrat und einiges mehr. Christian Berkel hat einen herrlichen Auftritt als Otto Preminger, der „Exodus" mit Trumbo machen will und sich dafür über Weihnachten bei ihm einnistet.

Ein Komödien-Regisseur und eine TV-Star erzählen gleichzeitig Hollywood- und Familien-Geschichte? Tatsächlich begeistern Regisseur Jay Roach („Meine Braut, ihr Vater und ich") und Bryan Cranston mit einem unterhaltsamem, prominent ausgestatteten Porträt, das großartig die Balance zwischen geistreichem Humor und der teilweise mörderischen Tragik der Schwarzen Listen findet. Schon Lubitsch und Chaplin zeigten, das Komödien politisch sein können und Politik auch in komische Filme passt.

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