21.3.16

Rock the Kasbah

USA 2015 Regie: Barry Levinson mit Bill Murray, Kate Hudson, Zooey Deschanel, Danny McBride, Bruce Willis 106 Min.

„Rock the Kasbah" - das klingt selbstverständlich nach „The Clash" und Kultur-Clash, denn in den so genannten, befestigten Altstädten des Maghreb wird ja nicht unbedingt gerockt. Es klingst aber auch irgendwie nach Kasper - und den gibt Bill Murray auf vortreffliche Weise. Dass seine Clownereien mit ernstem politischem und feministischem Hintergrund dann in Afghanistan stattfinden, diese und andere Ungenauigkeiten verzeiht man dem frischen Comeback von Altmeister Barry Levinson („Rain Man", „Good Morning, Vietnam") gerne.

Der abgehalfterte Rock-Manager Richie Lanz (Bill Murray) ist ein Lebenskünstler, dem schon längst alle Tricks ausgegangen sind. Weshalb sein letztes Talent - und gleichzeitig Sekretärin - Ronnie (Zooey Deschanel) noch bei ihm bleibt, weiß sie wohl selbst nicht. Denn wie Richie sie zu einem Gig zur US-Truppenbetreuung nach Afghanistan verfrachtet, ist keine Empfehlung. Aber sehr, sehr lustig. Auf die Art, wie Kriegs-Satiren seit „Mash" unbedarfte Zivilisten in unrettbare Situationen schmeißen. Aber Richie bleibt Optimist, selbst als Ronnie mit Hilfe des Söldners Bombay Brian (Bruce Willis) sowie mit Richies Geld und Pass abhaut. Selbst als er für mehr als halbgare Waffenhändler (Scott Caan, Danny McBride) ein abgelegenes Dorf beliefern soll. Und vor allem, als er dort die wirklich wunderbare Frauenstimme von Salima (Leem Lubany) hört, die unbedingt in die populärste Casting-Show Afghanistans muss.

Nun soll frau nach Meinung der nur offiziell vertriebenen Taliban und auch ihres strenggläubigen paschtunischen Dorfes nicht singen oder gar tanzen. Dass Salima es doch tut und nach großem Einsatz ihres Managements (Richie) und der einflussreichen Prostituierten Merci (Kate Hudson) auf nationalem TV sogar die nächste Runde erreicht, ist lebensgefährlich. Dass der Film teilweise eine ähnliche Naivität wie der sich vor allem selbst täuschende, us-amerikanische Showman Richie an den Tag legt, kann man ihm gut und gerne verzeihen. Denn er bringt mit echtem Engagement die wahre Geschichte von Sara Najafi einem großen Publikum nahe: Sie war zwar nicht die erste Frau, die in einer Casting-Show im Fernsehen sang, doch ihre zaghaften Tanzbewegungen und ein verrutschtes Kopftuch sorgten für Aufruhr und Todesdrohungen. Wie es die Doku „No Land's Song" über den Iran erzählte. Das ist dann ein realer Hintergrund, bei dem einem das Lachen endgültig im Halse stecken bleibt. Auch die Randbemerkungen über illegale Waffendeals, die den Krieg des Stammesfürsten befeuern und eine US-Armee, die sich hauptsächlich um das Show-Programm kümmert, erinnern an den politischen Regisseur Levinson aus dem Vietnam-Film „Good Morning, Vietnam" und der Polit-Satire „Wag the Dog". Dass der erfahrene Regisseur, der seine große Zeit Ende der 80er- und Anfang der 90er-Jahre mit „Toys", „Bugsy", „Avalon" und „Rain Man" hatte, seinen Film bis zum Märchenfinale erstaunlich holperig montieren ließ, ist angesichts des lustvollen Spiels von Bill Murray, Kate Hudson und Bruce Willis letztlich egal.

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