22.3.16

Mein Ein, mein Alles

Frankreich 2015 (Mon roi) Regie: Maïwenn mit Vincent Cassel, Emmanuelle Bercot, Louis Garrel 126 Min. FSK: ab 12

Die Regisseurin Maïwenn beeindruckte 2011 mit den harten und direkten Emotionen ihres Polizisten-Dramas „Polisse". Nur ist das Umfeld bürgerlich, doch die Gefühle schwappen wieder über: Die Anwältin Tony (Emmanuelle Bercot) muss in einer Reha-Klinik nach einem Ski-Unfall mit Kreuzbandriss tatsächlich und ganz wortörtlich lernen, wieder eigenständig zu sein. Denn die zehnjährige Beziehung mit dem charismatischen Restaurantbesitzer Georgio (Vincent Cassel) hat sie auf den Boden geworfen. Das Kennenlernen, die Verführung, die ersten Nächte, auch Hochzeit und Schwangerschaft sind ein wilder Rausch, in dem Georgio immer wieder begeistert, verzaubert, schmeichelt und verführt. Selbst dass er Tony seinen Lieblings-Apotheker vorstellt, ist noch ein schönes Spiel. Und der deutliche Hinweis auf eine Persönlichkeits-Struktur mit vielfachen Abhängigkeiten. Von den Drogen, von der Jugend und von extremen Gefühlen.
Noch vor der Geburt des gemeinsamen Kindes zieht Georgio aus, will wieder frei sein, fällt in sein exzessives Leben mit Super-Models zurück. Jetzt erweist er sich als dreister Manipulator, Egozentriker und Narziss. Man könnte auch ganz unromantisch sagen: Ein Wahnsinniger. Die dementsprechende moderne „amour fou", die wilde, aufregende und wechselhafte Beziehung wird aus der schweren und frustrierten Zeit der Rehabilitation gespiegelt.

So eindrucksvoll hier vor allem von Emmanuelle Bercot gespielt wird, die in Cannes 2015 als Beste Darstellerin ausgezeichnet wurde, kann das jahrelange Hin und Her auch ermüdend für das Publikum ausfallen. Vor allem wenn man sich entschieden hat, nicht mehr auf die anfangs tatsächlich eindrucksvollen Show-Nummern von Vincent Cassel / Georgio reinzufallen. Dass Tony ihm bis zum Ende immer wieder verfällt, bleibt jedoch glaubwürdig.

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