7.3.16

Grüße aus Fukushima

BRD 2016 Regie: Doris Dörrie mit Rosalie Thomass, Kaori Momoi 108 Min. FSK: ab 12

Doris Dörrie erzählt mit „Grüße aus Fukushima" eine semi-dokumentarische Geschichte aus dem Epizentrum der Katastrophe von Fukushima. Dafür ging Dörrie mit ihrer wunderbaren Darstellerin Rosalie Thomass (in „Taxi" neben Peter Dinklage) tatsächlich bis in die radioaktiv verstrahlte Todeszone um den explodierten Atommeiler von Fukushima und drehte im vom Tsunami verwüsteten Küstenstreifen.

Marie (Rosalie Thomass) hat mächtig Mist gebaut, mal eben aus Panik vor der Hochzeit die Liebe ihres Lebens mit dessen bestem Freund betrogen. Jetzt macht sie in ihrer bodenlosen Verzweiflung ausgerechnet auf Clown. Für die Hilfsorganisation Clowns4Help reist sie nach Japan, um im Katastrophengebiet von Fukushima den Opfern der Dreifachkatastrophe von 2011 ein wenig Freude in die Notunterkünfte zu bringen. Und wundert sich, dass niemand lacht. Die Flucht aus Deutschland scheint eine kleine persönliche Katastrophe zu werden, bleibt aber ein wenig beachteter Witz angesichts des ganz anderen Unglücks um Marie herum. Doch statt den Flug zurück zu nehmen, folgt Marie der eigenwilligen Satomi (Kaori Momoi), der letzten Geisha Fukushimas, die es sich in den Kopf gesetzt hat, in ihr zerstörtes Haus in der Sperrzone zurückzukehren. Marie hilft Satomi bei den Aufräumarbeiten. Dabei kommen sich die junge und die alte Frau, die unterschiedlicher nicht sein könnten, langsam näher und werden beide mit den Geistern ihrer Vergangenheit konfrontiert.

Geister gibt es tatsächlich in diesem dritten Japan-Film (nach „Erleuchtung garantiert" und „Kirschblüten – Hanami") von Doris Dörrie, ein Hauch asiatischer Alltags-Spiritualität. Die Leichtigkeit, mit der sie jedoch von großen und kleinen Katastrophen erzählt, die Selbstverständlichkeit von Tod, Abschied und Trauer in einer verwüsteten Landschaft stellen das große Kunststück im wunderbaren „Grüße aus Fukushima" dar. Die schwarz-weiß gedrehte Tragikomödie erzählt poetisch, lakonisch und komisch. Und politisch: Denn was das Team von Dörrie unter persönlichem Einsatz in der „Todeszone" an Bildern eingefangen hat, ist eine nachhaltige Anklage gegen Atomkraft - auch wenn die sichtbaren Zerstörungen auf den Tsunami zurückzuführen sind. Die apokalyptische Menschenleere geht jedoch aufs Konto der Gier von Energie-Konzernen.

Dass „Grüße aus Fukushima" trotzdem ein glücklich und Hoffnung machender Film ist, liegt auch an Rosalie Thomass. Sie spielt - großartig begleitet von der Japanerin Kaori Momoi - mit scheinbarer Naivität die in den Augen der Geisha trampelige Helferin, Elefant genannt, die mit „Put-Zen" und Sorgfalt beim Tee-Trinken den eigenen Trennungsschmerz zu überwinden lernt. Eigentlich eine simple Weisheit dieser „Radiation Vacation" über Loslassen und Weiterleben, doch deshalb braucht sie nicht falsch zu sein. Erneut ein sehr berührender Japan-Film von Dörrie.

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