28.3.16

Familie zu vermieten

Frankreich, Belgien 2015 (Famille à louer) Regie: Jean-Pierre Améris mit Benoît Poelvoorde, Virginie Efira 97 Min. FSK: ab 0

Der 1964 im wallonischen Namur geborene Benoît Poelvoorde ist eine Phänomen, das mit Leichtigkeit zwischen Action („Mann beißt Hund"), Komödie („Nichts zu verzollen"), Satire („Der Tag wird kommen"), Sportfilm („Das Rennrad"), Liebhaber („3 Herzen") und Klamotte als Brutus bei Asterix wechselt. So kann er seinem depressiven Millionär Paul-André gleichzeitig die Schattierungen von tiefer Schwermut und herrlicher Lächerlichkeit mitgeben.

Jean-Pierre Améris, Regisseur der verschrobenen Liebeskomödie „Die Anonymen Romantiker", schickt den einsamen, schüchternen Mann, der äußerlich alles hat, was man sich wünscht, auf die Suche nach einer Familie. Im Fernsehen, sieht er die überforderte Mutter Violette (Virginie Efira), die gerade dank ihrer frechen Schnauze nach einem peinlich ungeschickten Mundraub freigelassen wurde. Es wird ein mehrseitiger Vertrag ausgearbeitet und der sogar vom Diener verwöhnte Millionär zieht zu Violette und deren Kindern in eine kleine, chaotische Hütte. Überall liegt was rum, Geschrei ist Hintergrundrauschen und die Kühlschranktür ist nicht das Einzige, was nicht funktioniert.

Trotz all seiner und all ihrer Macken verlieben sich Violette und Paul-André still und heimlich, ganz gegen die platonischen Vertragsbedingungen. Als der verklemmte Kerl aus seiner Haut fährt und endgültig Herr des Hauses wird, zerfließt sie gefügig und ganz Weibchen. Das wirkt reizvoll altmodisch und doch glaubhaft, wenn die Schalen der komödiantischen Typen aufbrechen und darunter Verletzungen, Ängste und Selbstvertrauen liegen, auf dem heftig rumgetrampelt wurde.

Jean-Pierre Améris gelingt nach „Die Anonymen Romantiker", ebenfalls mit Poelvoorde in der Hauptrolle, wieder so eine romantische Komödie, die man ohne Bedenken als charmant bezeichnen kann. Märchenhaft ist zwar, wie einfach reich und arm zusammen kommen, doch den exzellenten Darstellern nimmt man gerne alles ab. Virginie Efira, die gerade bereits mit „Birnenkuchen mit Lavendel" bezauberte, kann verzweifelt frech und ganz schön trotzig. Dass Améris auch so eine kleine Geschichte mit der gleichen Sorgfalt inszeniert wie zuvor das unheimlich berührende Drama „Die Sprache des Herzens" macht diese Leih-Familie für immer so sehenswert.

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