8.3.16

Birnenkuchen mit Lavendel

Frankreich 2015 (Le Goût des Merveilles) Regie: Eric Besnard mit Virginie Efira, Benjamin Lavernhe 97 Min. FSK: ab 0

Zwischen Birnenblüten und Lavendelfeldern, zwischen wunderbar und geschmäcklerisch wurde der Film „Geschmack der Wunder" in provenzalische Landschaft drapiert. Denn der Original-Titel beschreibt sehr gut die synästhetische Verwirrung von Pierre (Benjamin Lavernhe), der in den Farben und den Wolken Zahlen sieht. Aber auch den etwas asymmetrischen Po einer schönen Witwe, die mit ihrem verschuldeten Landwirtschaftsbetrieb überfordert ist. Deshalb fährt Louise Legrand (die Belgierin Virginie Efira) Pierre an, nimmt pflegt ihn zuhause und macht ihm ein Bett auf der Couch. Am nächsten Morgen ist das chaotische Landhaus aufgeräumt und alles gerade ausgerichtet. Pierre lebt ganz gut mit seinem Asperger-Syndrom, erweist sich als ein genialer Verkäufer von Louises Waren auf dem Wochenmarkt und hat den Wetterbericht immer im Auge. Das beschert uns in einer Frostnacht ein sehr schönes Bild mit Fackeln unter den Obstbäumen. Noch eines unter den Blütenprächten, den weiten Feldern und den harmonische Farbpaletten mit Vorliebe für Lavendel.

„Birnenkuchen mit Lavendel", wie man ihn widerstrebend auf Deutsch benennen soll, lässt sich angenehm viel Zeit, in seinen reizvollen Bildern die Welt-Erfahrung von Pierre wiederzugeben: Die Flugwolken der Stare, das Treiben der Ameisen, das sanfte Wiegen der Ähren. Doch Pierre gerät bei zu vielen Eindrücken in Panik und klebt bunte Punkte auf alles, was ihn beängstigt. Das kann schon mal ein ganzes kunstvoll dekoriertes Zimmer in der Psychiatrie werden, denn seit der sensationelle Hacker in das Innenministerium einbrach, um Briefe von Vidoq zu finden, läuft er nur auf Bewährung frei in den Feldern herum. Und auch Louise muss neben den Schulden mit einem pragmatischen Nachbar fertig werden, der ihre Hand und ihr Land möchte. Doch wirklich dramatisch wird es eigentlich nie in diesem vorhersehbaren Verlauf, dem man so reizend fotografiert gerne folgt.

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