29.3.16

10 Cloverfield Lane

USA 2016 Regie: Dan Trachtenberg mit John Goodman, Mary Elizabeth Winstead, John Gallagher jr. 103 Min.

Der nächste „Cloverfield"-Film erinnert anfangs an „Psycho", nutzt aber den Duschvorhang zum Schutz vor der atomaren Apokalypse ... oder vor Aliens. Des Überfliegers J.J. Abrams („Star Wars: Das Erwachen der Macht", „Star Trek Into Darkness", „Super 8", „Cloverfield") neueste Produktion ist sofort hochspannend und überrascht sich immer wieder selbst.

Michelle (Mary Elizabeth Winstead) verlässt ihren Freund und die Stadt, das reicht vielen Filmen als Drama. Nach einem Autounfall wacht sie jedoch angekettet in einem Keller auf. Der sehr seltsame Hausherr Howard (John Goodman) vermittelt kompliziert und nicht sehr klar, dass draußen kein Leben mehr möglich wäre. Atomare oder chemische Katastrophe, vielleicht auch was mit Außerirdischen. Michelle könne froh sein, bei ihm untergekommen zu sein. Bei ihm und dem einfältigen Emmett (John Gallagher jr.), der beim Bau des hermetisch abgeschlossenen Bunkers ohne Fenster und Telefon half.

Michelle weigert sich, die Geschichte des Spinners mit eingebautem Aluhut zu glauben. Kleine Fluchtversuche scheitern kläglich und dann gewährt Howard einen Blick nach draußen auf seine grausig verätzten Schweine. Doch es bleiben Zweifel, weil die angeblich verstorbene Tochter von Howard auf den Fotos jemand ganz anderes war. Und da gibt es doch Geräusche von Autos über dem Bunker. Allerdings: Waren da im Radio nicht Meldungen von Stromausfall in der Stadt?

Im Alien-Film „Cloverfield" zeigte J.J. Abrams als Regisseur die außerirdischen Monster so gut wie nicht, dafür deren Invasion aus der Perspektive verwackelter Handkameras. Nun folgt mit „10 Cloverfield Lane" eine ganz unabhängige Geschichte, die Abrams produzierte und der Neuling Dan Trachtenberg sehr sicher inszenierte. Nach einem klassischen Auftakt treibt die Spannung energisch weiter, unterscheidet sich durch mutige Wendungen (Buch: Josh Campbell, Matthew Stuecken, Damien Chazelle) von den Fließband-Produktionen verwandter Genres. Psycho- und Gesellschaftsspiele wechseln einander ab. Trefflichen Magen-Kitzlern wie dem Nähen an lebendiger Stirn oder einer besonders beklemmenden klaustrophobischen Szene folgen sehr geschickt platzierte Hochspannungs-Momente.

Nach einer Stunde gibt es etwas Hintergrund zu den unfreiwilligen Bunker-Bewohnern in einem Dialog über Dinge, die sie in ihrem bisherigen Leben bereuen. Es ist dem guten Schauspiel zu verdanken, dass die Figuren bis dahin nicht flach wirkten. Mary Elizabeth Winstead darf hier ihre Entdeckung feiern, trotz einiger Rollen bisher, etwas als Tochter von Bruce Willis Charakter in „Stirb langsam 4.0". John Goodman gibt gleichzeitig den guten und bedrohlichen Mann, verkörpert quasi die genial ausgespielte Spannung des Films, die Zerrissenheit zwischen realer Bedrohung draußen und bedrohlichem Spinner drinnen. Die flotte Folge von Überraschungen endet mit einer unfassbaren Pointe in letzter Minute, ganz im Stil von M. Night Shyamalan bei „The Sixth Sense", „Signs – Zeichen" oder „The Village". Auch dieser mehrfache Trugschluss wird wieder für Diskussionen sorgen, die Hochspannung im gesamten Film vorher lässt sich jedoch nicht wegdiskutieren.

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