2.2.16

Mittwoch 04:45

Griechenland, BRD, Israel 2015 (Tetarti 04:45) Regie: Alexis Alexiou mit Stelios Mainas, Adam Bousdoukos, Mimi Branescu 117 Min. FSK: ab 12

Der Jazzclub-Besitzer Stelios sitzt im Wagen eines alten Bekannten. Es gibt Geplauder über die Familie, während man ahnt, dass eine schmerzhafte Erinnerung an seine Schulden folgen wird. Die hat der Idealist Stelios bei einem Rumänen, der nebenbei, nach einem Statement über Globalisierung und Kapitalismus, die Zeiten erwähnt, zu denen die Tochter des Schuldners Musikunterricht hat. Wir sind in Athen, im Winter 2010. Es herrscht Geldmangel, Stelios hat 40.000 in Schecks rumliegen, die er nicht einlösen kann. Auf der Straße würde man für 20 Euro erstochen und er hat fast 150.000 Schulden. Einen Tag bleibt ihm nun, um seinen Club zu retten.

Der Künstler Stelios ist in der Falle, aber auch Beobachter des sozialen Dramas auf den Straßen. Der ausgebrannte Mercedes, die brutale und mörderische Kinderbande im Tunnel wie einst bei „Clockwork Orange", im Fernsehen die Bürgerkriegs-artigen Unruhen Athens. Es herrscht eine aggressive Stimmung, jeder scheint am Rand der Belastbarkeit zu sein. Er sei zu weich für diese Welt, hört Stelios. Und die zynischen Kommentare seiner Frau, die sich vom unzuverlässigen Partner trennen will. Denn Stelios ist kein Held, kein unschuldiges Opfer: Sein Leben verläuft, wie man sich das für Jazzclub-Besitzer (außer bei Murakami) vorstellt: Jazz, Alkohol, Koks, Sex mit der Geliebten. Dann aber schallen seine entschlossenen Schritte wie bei „Bullitt" auf der Tonspur.

„Mittwoch 04:45" ist eine treffende und betroffen machende Sozialstudie, dazu ein echter und echt guter dunkler Thriller, mit einem wahnsinnigen finalen Shoot Out, wie es Tarantino früher hinbekommen hätte. Stilsicher und raffiniert inszeniert, etwa beim Mord an einem anderen Vater, der mit dem Schmelzen des Eis vom Sohn parallel geschnitten wird. Die dichte Szenenfolge, jede erneut eindrucksvoll, öffnet Augen, lässt erschreckt staunen. Zwischendurch ist der grandiose Sozial-Thriller stimmungsvoll und gleichzeitig in den Bildern ein dokumentarischer Essay, unterbrochen von griechischen Schlagern. Inszenierung, Schauspiel, Kamera mit dem schmutzig gelben Licht, alles stimmt und funktioniert. (Mit dabei übrigens Adam Bousdoukos, bekannt aus Fatih Akins „Soul Kitchen", „Gegen die Wand" oder „Kebab Connection".)

Ein Künstler unter Gangstern, das steht auch für den gesamten intensiven und packenden Film, der einerseits als kluger Autorenfilm und dabei gleichzeitig als packender Thriller begeistert.

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