15.2.16

Hail, Caesar!

USA, Großbritannien 2016 Regie: Joel Coen, Ethan Coen mit Josh Brolin, George Clooney, Ralph Fiennes, Scarlett Johansson, Frances McDormand, Tilda Swinton, Channing Tatum, Christopher Lambert 106 Min.

Aber hallo! Die Komödie „Hail Caesar" ist eine wunderbare Sammlung filmischer Kabinettstückchen, eine Huldigung des nicht für alle Goldenen Zeitalter Hollywoods, etwas Skandalgeschichte der Traumfabrik und dann noch eine Glaubensfrage. Wieder einmal amüsieren Joel Coen und Ethan Coen sich und ihr Publikum. Oberclown Clooney ist auch mit dabei und zieht sich kein einziges Mal um!

George Clooney ist mit herrlich dämlichem Grinsen der Filmstar Baird Whitlock, gerade wieder mal auf Sandalen unterwegs, um einen Film dieser speziellen, in den 50er Jahren beliebten Sandalen-Gattung zu drehen. Doch am Set von „Tale of the Christ" schauen diesmal nicht die judäischen Verschwörer verschlagen aus der Umhang-Wäsche, es sind die Statisten an Leier und Kelch. Letzterer macht auch voll mit Schlafmittel voll mit und bald findet sich der Star – noch immer in römischer Rüstung mit unpraktischem Schwert – in den Händen kommunistischer Drehbuchautoren. Dies, in echt bald von McCarthy sogar bis in den Tod verfolgte Völkchen, wird von den Coens in ein Strandhaus nach Malibu versetzt und damit veralbert.

Denn obwohl hier die ungerechten Besitzverhältnisse an den Produktionsmitteln klar herausgestellt werden, nimmt „Hail, Caesar" die Haltung seines eigentlichen Helden, des Studio-Einpeitschers Eddie Mannix (Josh Brolin) ein. Für den, der in den wenigen Stunden des Films gleich mehrere komplexe Probleme jongliert, ist das Studio-System wie Religion. Dafür gibt es zwar nicht beste Haltungs-Noten, aber stilistisch bekommen die Coens wieder Bestmarken, wenn sie klassische Film-Genres dieser Zeit in herrlichen Szenen wiederauferstehen lassen. Das macht viel Spaß und nähert sich erst ganz am Ende, wenn Baird Whitlock ergriffen vor dem noch nicht Wiederauferstandenen steht, dem Transzendenten, das Coen-Filme auch immer gerne enthalten.

Der tief gläubige Produzent Mannix verhandelt nicht nur mit Vertretern der großen Kirchen über Details von „Tale of the Christ", er beichtet nicht nur täglich jede heimlich gerauchte Zigarette, er glaubt tatsächlich an das Studiosystem, in dem sich jeder der Fließband-Produktion stereotyper Genre-Filme unterzuordnen hat. Der größte Witz dabei ist letztlich, dass die Coens heutzutage als Autoren genau entgegengesetzt arbeiten können. Aber wir wollen nicht so genau sein und uns daran erfreuen, wie Tilda Swinton die Zwillings-Schwestern für Klatsch und Kultur spielen, die so miteinander verfeindet sind, wie sich nur E- und U-Presse hassen. Mannix macht es da wie die Coens: Er bedient einfach beide mit Leichtigkeit und Spaß.

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