7.2.16

69 Tage Hoffnung

USA, Chile 2015 (The 33) Regie: Patricia Riggen mit Antonio Banderas, Rodrigo Santoro, Juliette Binoche, James Brolin 127 Min.

Antonio Banderas wird hunderte Meter tief unter der Erde verschüttet, wie schrecklich. Juliette Binoche verkauft oben gutherzig Empanadas, leidet aber auch ganz furchtbar unter dem Unglück ihres Schauspiel-Kollegen. Wenn Stars einfache, arme Arbeiter spielen, kann das schon mal richtig schief gehen. So auch bei der unglücklichen Verfilmung eines noch in der Erinnerung befindlichen Unglücks: Am 5. August 2010 brach ein Schacht in der abgelegenen Mine San José in Chile ein. 33 Bergarbeiter, die dort Gold und Kupfer abbauten, wurden 700 Meter unter der Erde eingeschlossen. Erst nach 69 Tagen konnten sie gerettet werden.

Die mexikanische Regisseurin Patricia Riggen beginnt den Film mit einem Familienfest, das aussieht, wie eine Oscar-Verleihung. Klar und strahlend gefilmt wie ein Hollywoodfilm – so leuchtend sieht das Leben vor Ort sicher nicht aus. Wie bei allen Katastrophenfilmen reihen sich nun Schicksale auf: Der Alte auf einer seiner letzten Schichten, der Mann der Schwangeren, der ungeliebte „Gastarbeiter" aus Bolivien. Parallel werden Warnungen des Vorarbeiters ignoriert, sehr deutliche Vorzeichen übersehen. Dick aufgetragen wie die Musik von James Horner ist auch der Blick des Neulings zurück bei der Einfahrt in die Mine. Die lange Fahrt in die Tiefe, vorbei an Marien-Figuren und Fotos bereits Verstorbener, macht die Situation noch eindrucksvoll mit Übelkeit und einem dramatischen Schwenk in die Abgründe fühlbar. Der unweigerlich und erfreulich rasch folgende Einsturz kann diese Erwartungen allerdings nicht erfüllen, er ist für heutige Möglichkeiten nicht übermäßig eindrucksvoll, selbst wenn da gleich ein ganzer Bagger mit der Tunneldecke herunterfällt.

Die 33 titelgebenden Minenarbeiter kommen knapp vor dem herunterbrechenden Gestein im Rettungsraum unter. Während sich nun klaustrophobische Spannung mit dem Knirschen des Berges breit machen sollte, schaltet der Film fröhlich nach oben, wo die Familien vor den Toren der Mine protestieren und tatsächlich Rettungsversuche für die längst von der Firma „abgeschriebenen" Arbeiter erzwingen. Plötzlich steht ein Spezialist mit tollen geologischen 3D-Aufnahmen des Berges in der Hütte, unten gibt es Streit ums Essen, oben wird mal schief gebohrt, bevor schon zur Mitte des Films ein schmaler Tunnel Erlösung verspricht. Doch nicht für das Publikum. Zwar gibt es nun Nahrung und sogar einen Video-Chat mit großer Projektion auf ein Bettlaken! Die internen Spannungen der Eingeschlossenen nehmen zu, als man erfährt, dass der nicht ganz unumstrittene Anführer Mario (Antonio Banderas) einen Buchvertrag über die Ereignisse abgeschlossen hat.

Doch keine Sorge, eine zweite Ebene wie beim „Reporter des Satans" mit Kirk Douglas bekommt hier nie Luft zum Atmen. Unglaubliche Zustände unter Tage rufen nicht nachhaltig Wut oder Entrüstung hervor. Die Rolle des Staates mit einem unsympathischen, opportunistisch agierenden Präsidenten nimmt man schulterzuckend hin. Stattdessen wird Raum für das Verhältnis zwischen Star Binoche und dem Regierungsvertreter verschwendet. Was fürs Herz muss ja auch dabei sein. Es ist unglaublich, wie so eine natürlich beklemmende und nicht nur vom Gebirge her sehr angespannte Situation einen so kalt lassen kann.

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