24.2.16

13 Hours: The Secret Soldiers of Benghazi

USA 2016 Regie: Michael Bay mit James Badge Dale, John Krasinski, Max Martini 145 Min. FSK: ab 16

Willkommen in US-Wahlkampf, quer-finanziert durch Hollywood. Politisch Interessierte mögen sich erinnern, wie Hillary Clinton als Außenministerin im letzten Jahr nicht 13, sondern 11 Stunden lang in einem Parlaments-Ausschuss befragt wurde, weil bei einem Anschlag auf eine Außenstelle des US-Konsulats im libyschen Benghazi ausgerechnet am Jahrestag der Attentate von 9/11 vier US-Amerikaner starben. „13 Hours: The Secret Soldiers of Benghazi", der voller Adrenalin gepumpte Action-Film vom filmischen Grob-Motoriker Michael Bay erzählt nun, was wirklich geschah ... selbstverständlich nicht!

Vor allem erzählt auch dieser Hollywood-Film viel vom üblichen Weltbild des typischen US-Amerikaners: Überall im Ausland lauern Gefahren, böse Menschen wollen gutmeinenden Diplomaten und Spionen ans Leben. Nun war Libyen schon 2012 nach dem Sturz Gaddafis kein sicherer Ausflugsort, hier hatte eigentlich jeder schwere Waffen in den Händen. Und deshalb ist ja auch die CIA da, sie will diesmal verhindern, dass Waffen verkauft werden. Ein guter Witz. Neu ist, dass die früher so coolen Geheimagenten nun als unfähige Schreibtischtäter selbst Aufpasser brauchen. Die stellt eine Sammlung von Vollbärten mit Muskeln dran. Ein paramilitärischer Trupp von Söldnern namens GRS, der wieder, wie einst „Rambo" für die unfähigen Politiker die Kohlen aus dem Feuer holen muss. In diesem Fall den angekokelten US-Botschafter, dessen so gut wie ungeschützte Residenz von einem Mob scheinbar spontan überfallen und abgefackelt wird.

Regisseur Michael Bay ist selber mit seinen Filmen wie „Transformers" und „Pearl Harbor" eine Art Söldner der US-Armee. Das fürchterliche Wort „Overkill" findet bei ihm seine extremste filmische Entsprechung: Immer ist alles zu viel zu laut, zu chaotisch, zu tödlich. Selbstverständlich haben auch in „13 Hours" Scherze oder gar Selbst-Ironie keinen Platz. Das größte Kunststück von Michael Bay ist allerdings, dass dieses fürchterliche Machwerk trotz seiner unendlich vielen Explosionen, Schießereien und Morde auch unendlich langweilig ist. Nach einer langen Exposition von fast einer Stunde mit rührenden Bildern der Liebsten zuhause und intensivem Bodybuilding ist der Rest endloses Geballer.

Trotzdem ist es beim Rumsitzen verführerisch, sich auf die beschränkte Logik des Films einzulassen. Denn die bärtigen Jungs sind ja so nett. In Berlin wären sie Hipster, woanders bringen sie Menschen um. Die man wiederum nicht versteht. Der Dolmetscher ist symptomatisch nur eine Witzfigur. Die gesichtslosen „Fremden", unter denen es nicht mal eine schurkige Nebenfigur gibt, fangen einfach grundlos an zu schießen und zu überfallen, während der Trommler beim Einpeitschmarathon auf der Tonspur Sonderzulage bekommt.

Wie in der Außenpolitik staunt man auch hier, was für ein unglaublicher Aufwand für ein erbärmliches Ergebnis getrieben wird: Ein Propaganda-Stückchen, das vier Jahre nach den Ereignissen zufällig mitten im Vorwahlkampf in die Kinos kommt. Man könnte auch sagen: Eine kriegstreiberische und rassistische Propaganda-Lüge!

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