5.1.16

The Revenant - Der Rückkehrer

USA 2015 Regie: Alejandro González Iñárritu mit Leonardo DiCaprio, Tom Hardy, Domhnall Gleeson, Will Poulter 156 Min.

Ein überwältigendes Panorama vom Aufeinandertreffen der rauen Natur im Wilden (Nord-) Westen mit der nicht minder brutalen „Zivilisation" der Jäger und Siedler. Der unglaubliche Überlebenskampf eines Vaters, der seinen Sohn rächen will, nachdem er selbst von einer Bären-Mutter zerfleischt und schon begraben wurde. Das gespielt von einem Leonardo DiCaprio, der mit seiner Bären-Jagd zum Oscar-Jäger wird, und unfassbar großartig inszeniert vom letztjährigen Oscar-Absahner für „Birdman", Alejandro González Iñárritu.

So weit wie die schneebedeckten Bergzüge und Flusstäler dehnen sich die eindrucksvollen Momente aus, die alle beschrieben werden wollen. „The Revenant" ist ein gewaltiger Film, der wie schon Iñárritus „Biutiful" mit einfachem Atemgeräusch anfängt. Während sich der Scout Hugh Glass (Leonardo DiCaprio) an einen Elch anschleicht, wird seine Jagdgesellschaft von Indianern überfallen. Die erste unfassbare Szene ist ein traum-ähnliches Schießen, Stechen und Fliehen mit der Kamera fließend, rennend und taumelnd mittendrin. Ein Teil der Trapper entkommt und versucht, sich zum Fort durchzuschlagen. Dabei wird ausgerechnet der ortskundige Glass von einer Bärin minutenlang aufgeschlitzt, zertrampelt und angeknabbert - wohl die eindringlichste, heftigste und gewaltigste Szene dieses Film und seit vielen Jahren überhaupt.

Dass auch hier die Kamera vom Atem des riesigen Tieres beschlägt, muss man nicht bemerken, ebenso wenig die Blutspritzer im Gemetzel des Finales. Die erneut genial von Emmanuel Lubezki geführte Kamera trägt allerdings einen großen Teil zum intensiven Erleben der Ereignisse bei. Genau wie die Sound-Komposition, die besonders fein und leise das Knacken der Bäume im Wind, das Kribbeln der Ameisen und das Knirschen der Gletscher spürbar machen. Hinzu kommen die schwebenden Klänge von Komponist Ryuichi Sakamoto. So wird die Reise des schwer Verletzten ein Fluss der Bilder fast wie bei Malick, ein Traumwandeln vom alten Indianer wie in Jarmushs „Dead Man", eine Vision zerfallener Kirchen von Andrej Tarkowski. Und doch unbeschreiblich einzigartig.

Keineswegs ist „The Revenant" ein simpler Rachefilm. Nicht nur weil der extrem unsympathische, gierige, halb skalpierte John Fitzgerald (Tom Hardy) den Mord an Glasses Halbblut-Sohn Hawk (Forrest Goodluck) eigentlich nicht wollte. Überhaupt fällt diese Tat im allgemeinen Grauen kaum auf. Denn: „Wir sind alle Wilde" steht auf einem Schild, das französische Besatzer einem von ihnen aufgeknüpften, indianischen Helfer von Glass anhängen. Ein Hauptthema des Films, der sowohl noch riesige Büffelherden zeigt, als auch apokalyptische Berge von Tierschädeln.

Das ist bei all dem Blut und den Eingeweiden, in denen sich Glass bei seinem eiskalten Leidensweg einmal aufwärmt, dank der traumhaften Inszenierung zwar gewaltig eindrucksvoll, aber immer noch erträglich. Selbst wenn die Verwundungen schon beim Zuschauen die Magengruben belasten, hinzu kommen interessante Selbstmedikationen wie das Ausbrennen der aufgeschlitzten Kehle mit Schießpulver. DeCaprios Leistung stiehlt nicht nur allen Survival-Gurus die Show, es ist auch ein Blick in innerste Gefühlswelten, den bei Iñárritu auch schon Javier Bardem in „Biutiful" und Sean Penn in „21 Gramm" zeigten. Was diese Urgewalt von Film zwischen Natur-Meditation und unfassbar intensiven Szenen eigentlich alles erzählt, muss jeder selber entdecken. Gerne auch bei zweiten, dritten und weiteren Sehen.

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