3.1.16

The Danish Girl

Großbritannien, BRD, USA 2015 Regie: Tom Hooper mit Eddie Redmayne, Alicia Vikander, Matthias Schoenaerts, Ben Whishaw 120 Min.

Wem das Gender-Getue mit Binnen-I und anderen originellen Ideen der Fürsprecher*Innen gerade auf die Nerven geht, dem sei „The Danish Girl" zum Einfühlen empfohlen: Ein wunderbarer Film nach einer wahren Geschichte über den ersten Mann, der auch operativ zur Frau wurde. Ein packendes und sehr rührendes Historiendrama von Tom Hooper („The King's Speech", „Les Misérables"). Atemberaubend gut androgyn gespielt von Eddie „Stephen Hawkins" Redmayne und mit wunderschönen Kostümen und Kulissen eingefangen.

Einar Wegener (Eddie Redmayne) lebt mit Ehefrau Gerda (Alicia Vikander) als Künstlerehepaar im Kopenhagen der zwanziger Jahre. Er ist mit seinen Landschafts-Szenen erfolgreicher als sie mit ihren intensiven Porträts, doch das trübt die innige Liebe ebenso wenig wie Gerdas Interesse an anderen Frauen. Eher zufällig posiert Einar als menschlicher „Kleiderständer" für ein verhindertes Model von Gerda. Die Faszination, in eine weibliche Hülle zu schlüpfen, ist enorm - auch in der Wirkung, mit der Eddie Redmayne diese in Mimik und Gestik wieder gibt. Allzu leicht lässt er sich bald überreden, beim eher steifen Künstlerball der Akademie öffentlich als Frau aufzutreten. Der Eindruck des neu geschaffenen und Lili genannten Wesens ist gewaltig, direkt verliebt sich ein Mann in sie ... oder ihn?

„The Danish Girl" ist an der Oberfläche erst einmal ein großer Seh-Genuss. Sowohl die historischen Szenerien und Kostüme in Kopenhagen als auch die von Paris, wohin das Paar trotz der anscheinend freizügigen dänischen Gesellschaft zieht, sind von erlesener Schönheit. Dann faszinieren Wandel und innere Zerrissenheit von Einar, der meint, eigentlich immer eine Frau im Körper eines Mannes gewesen zu sein. Exzellent gespielt, feinfühlig vermittelnd, großes Gefühlskino, all diese Worte können das unfassbar feine, nuancierte und intensive atemberaubende Spiel von Redmayne nicht gänzlich wiedergeben. Schüchternheit, kokettes Lächeln, die Freude über das gute Gefühl im richtigen Äußeren, das erste Flirten - all das verdient unbedingt einen Oscar (auch wenn DiCaprio als „Revenant" dann wieder warten muss). Und auf jeden Fall die Lola als weiblichen Filmpreis. Zudem eine Menge anderer Preise für reizvolle historische Ausstattung und die wunderbaren Kostüme.

Da verblassen alle Nebenrollen. Der ansonsten so großartige Matthias Schoenaerts („Der Geschmack von Rost und Knochen") ist etwas zu muskulös für den Pariser Galeristen und Einar-Freund Hans Axgil. Selbst die Schwedin Alicia Vikander (Ava in „Ex Machina") bleibt am Rande, obwohl der Film, der sein Drama fortwährend mit den Gemälden und Zeichnungen beider begleitet, auch die Geschichte einer starken Liebe, einer erstaunlichen Beziehung ist. Eine wunderbar offene - offen im Umgang und Gespräch miteinander, sowie auch in Verhältnissen zu anderen.

So hält die Beziehung, auch wenn Einar immer mehr hinter Lili verschwindet, bis hin zur innovativen Operation des deutschen Arztes Warnekros (Sebastian Koch) in Dresden. Dort komplettierte sich dann auch der Name der nun dänischen Malerin Lili Elbe, die von 1882 bis 1931 lebte. Regisseur Tom Hooper findet zu diesem dramatischen Lebenswandel - nach David Ebershoffs Roman „Das dänische Mädchen" - ein schönes und leichtes Ende, ohne die Entscheidung zu leicht zu zeigen.

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